Satire

„90 Minuten – Bei Abpfiff Frieden“ im Kino

Auf keinen Fall will der Präsident des israelischen Fußballverbands einen schwedischen Schiedsrichter

Foto: Nadine Fraczkowski/ Gringo Films

„Die Schweden sind immer gegen uns gewesen.“ Sein Kollege vom palästinensischen Verband legt sein Veto gegen den belgischen Schiedsrichter ein – dessen Tochter habe vor zehn Jahren mal Freiwilligendienst in einem Kibbuz geleistet. Es ist alles nicht einfach. Dabei haben die Verantwortlichen in Eyon Halfons Politsatire „90 Minuten – Bei Abpfiff Frieden“ endlich eine Möglichkeit gefunden, den palästinensisch-israelischen Konflikt ein für allemal zu lösen: mit einem Fußballspiel zwischen den beiden Nationalmannschaften. Wer verliert, muss nicht nur das Spielfeld räumen, sondern gleich das ganze Land. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, denn zunächst werden bei den Vorbereitungen des Matches all jene Probleme noch einmal aufgerollt, die das schwierige Mit- und Gegeneinander im Alltag eben ausmachen. Das ist grotesk – und zugleich nicht sehr weit von der Realsatire entfernt. Allerdings ist der Grundgedanke überzeugender als die Ausführung: Die Idee, ein fiktives Dokumentarfilmteam loszuschicken, das ständig irgendwo die Kamera draufhalten soll, erzeugt einen unnötigen konzeptuellen Zwang, aus dem sich der Film kaum befreien kann.

Milhernet 90 Hadakot IL/D 2016, 87 Min., R: Eyal Halfon, D: Moshe Ivgy, Norman Issa, Detlev Buck, Start: 30.6.

Bewertungspunkte3

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