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„96 Hours“ im Kino

Nach dem gleichen Muster, nur noch brutaler, spielt nun Liam Neeson einen Mann, der vor nichts halt macht, und es steht zu erwarten, dass sein mörderischer Amoklauf im Kino viele Leute wieder empören wird. Neeson spielt einen US-Geheimagenten im Ruhestand, dessen 17-jährige Tochter von albanischen Menschenhändlern in Paris entführt, unter Drogen gesetzt und als Sexsklavin meistbietend versteigert wird. Im Alleingang, mit all seinen im Staatsdienst gelernten kampftechnischen Mitteln (auch Folter gehört dazu), massakriert der Vater rambo-mäßig jede Menge Bösewichter und befreit sein über alles geliebtes Kind.

Den Vorwurf der Gewaltverherrlichung müssen sich Produzent und Drehbuchautor Luc Besson sowie sein Regisseur Pierre Morel gefallen lassen. Doch ist das Geschehen so unrealistisch und der Protagonist so unbesiegbar wie ein Comic-Superheld, dass man den Film nicht wirklich ernst nehmen kann; er ist bloßes, sinnfreies Action-Entertainment, ein französischer Kino-Abklatsch der TV-Serie „24„. Den Fans dieses Genres wird einiges geboten: haarsträubende Autojagden über Stock und Stein, furiose Feuergefechte, knallharte Bildmontagen und Keilereien. Neesons Finalgegner ist ein Araber, der klischeegetreu mit Krummdolch kämpft.

Der Kreuzzug gegen die Kidnapper ist gradlinig in Szene gesetzt, es gibt immer wieder ruhige Momente zum Durchatmen zwischen den Gewaltexzessen, und Neeson zeigt sich körperlich in Topform und darf als Teufelskerl mal so richtig über die Stränge schlagen. Doch dem erfahrenen Charakterdarsteller gelingt es dabei auch, der von ihm verkörperten Kunstfigur mit ihrem manischen Charakter etwas emotionale Tiefe und Bodenhaftung zu verleihen, so dass sie trotz ihrer wahn­witzigen Handlungen nicht allzu lächerlich wirkt.

Text: Ralph Umard

Taken Frankreich 2008; Regie: Pierre Morel; Darsteller: Liam Neeson (Bryan), Maggie Grace (Kim), Famke Janssen (Leonore); Farbe, 93 Minuten; Kinostart: 19. Februar 2009

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