Thriller

„A Beautiful Day“ im Kino

Auch wenn sich Joaquin Phoenix beim jüngsten Berlinale-Auftritt wieder mal als extrem maulfaul erwiesen hat, er ist und bleibt einer der besten Schauspieler seiner Generation und beweist dies erneut im neuen Film der Schottin Lynne Ramsay, die uns bereits 2011 mit „We Need to Talk About Kevin“ eine kinematografische Ohrfeige verpasste.

Constantin

In „You Were Never Really Here“, so der viel passendere Originaltitel, spielt Phoenix einen introvertierten Typen namens Joe, der einen ungewöhnlichen Job hat: entführte Kinder befreien, mit jedem Mittel. Sein Mittel, das ist bevorzugt ein Hammer, mit dem er die Entführer malträtiert. Ein wortkarger, rabiater Typ mit wie auch immer gearteter gewalttätiger Vergangenheit, davon künden die vielen Narben auf seinem Körper. Und einer, der dann doch Stellung beziehen muss, als er in eine üble Intrige gerät.

Der auf der Vorlage von Jonathan Ames beruhende Thriller lässt an diverse berühmte Vorbilder von „Leon, der Profi“ bis zu „Taxi Driver“ denken, Filme mit gewalttätigen Einzelgängern, die außerhalb der Gesellschaft existieren und ihr ganz eigenes Weltbild vor sich hertragen. Lynne Ramsay findet aber dank ihrer fast beiläufig wirkenden Inszenierung mit verwaschenen, indirekt die Szenerie einfangenden Bildern doch ihren ganz eigenen Ton. Und dann hat sie zudem Joaquin Phoenix, dessen ganzer Körper einen Typen charakterisiert, der schon sehr lange keinen Beautiful Day mehr hatte. Dafür gab es vergangenes Jahr in Cannes den Darstellerpreis. Martin Schwarz

You Were Never Really Here (OT) GB 2017, 95 Min., R: Lynne Ramsay, D: Joaquin Phoenix, Judith Roberts, Ekaterina Samsonov, Start: 26.4.

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