Mystery-Horror

„A Cure for Wellness“ im Kino

Tiefgreifend schaurig: Gore Verbinski lädt uns ein zu „A Cure for Wellness“

Foto: 20th Century Fox

Etwas stimmt nicht, man merkt es sofort. Und dass nicht nur, weil in der ersten Szene von Gore Verbinskis Mystery-Horror­film ein überarbeiteter Manager eines dubio­sen ­Finanzdienstleistungsunternehmens an einem Herzinfarkt stirbt. Vielleicht. Denn warum nur widmet der Film dem Wasser so viel irritierende Aufmerksamkeit, das der Manager noch angesichts der Schmerzen in seiner Brust trinkt, ehe er umfällt?

Die verkanteten Perspektiven und verzerrten Wahrnehmungen setzen sich fort, als statt des Verblichenen nunmehr sein junger Kollege Mr. Lockhart (Dane DeHaan) im Auftrag seiner Arbeitgeber eine Reise in die Schweiz antritt, um den in einem abgelegenen Sanatorium zur Kur weilenden Aufsichtsratsvorsitzenden zurück nach New York zu bringen. Der hatte in einem selt­samen Schreiben angekündigt, gar nicht mehr heimkommen zu wollen – doch seine Kollegen brauchen unbedingt einen Sündenbock, falls bei der anstehenden Firmenfusion die Unregelmäßigkeiten in den kreativ geführten Büchern auffallen sollten.

Doch so einfach, wie sich der Karrierist Lockhart seine Aufgabe vorstellt, ist sie nicht, das weiß der genreerfahrene Zuschauer ­spätestens beim Anblick der von finsteren Legenden umrankten düsteren Burg in den Bergen, in der das Sanatorium beheimatet ist. Denn wie es scheint, hat diesen Ort bereits seit geraumer Zeit niemand mehr verlassen. „Warum sollten wir?“, verkünden die zufriedenen Patienten frohgemut, während sie fleißig das heilsame Quellwasser trinken, das ihnen der Leiter des Sanatoriums (Jason Isaacs) immer wieder anpreist.

Das Vergnügen an „A Cure for Wellness“ speist sich nicht zuletzt aus der in sich ­geschlossenen Welt, in die man im Sanatorium eintaucht, einem Design-Traum/Albtraum mit gekachelten Gängen in Creme und Türkis. Die Sanatoriumswelt entstand weitgehend an Drehorten in Deutschland, darunter dem Johannisbad in Zwickau, der neogotischen Burg Hohenzollern im baden-württembergischen Bisingen und den verfallenden Beelitz-Heilstätten südlich von Potsdam, die dem Design neben dem Flair einstiger Grandezza zugleich die notwendige Patina und einen Hauch des Unheimlichen verleihen.

Geschickt verbindet die Geschichte Business-Satire, hochkulturelle Anspielungen (dass einer der Pfleger Thomas Manns „Der Zauberberg“ liest, ist nur einer der offensichtlichsten Scherze), vielerlei kinoreferenzielle Zitate und einen sehr unbehaglichen Horror miteinander, der nicht auf überfallartigem Schrecken ­beruht, sondern auf dem Ausspielen von ­Urängsten in einer Welt, die an den Kanten aus den Fugen geraten ist.

Und während Mr. Lockhart, der nach einem Unfall zwischenzeitlich mit einem Gipsbein wieder aufgewacht ist, immer wieder durch die endlosen gekachelten Gänge schleicht, kann man sich auch nie ganz sicher sein, dass die schrecklichen Dinge, die er entdeckt, nicht doch vielleicht nur das Produkt einer überreizten Fantasie sind. Aber am Ende kommt wie bei einer Zwiebelschale doch noch der klassische Trash-Horror zum Vorschein.
Klar, Roger Corman hätte aus den zweieinhalb Stunden von „A Cure for Wellness“ wohl mindestens zwei Filme gemacht und aus den Schnittresten noch einen dritten, aber auch Verbinskis Film ist großes Entertainment: wunderbar anzusehen und in seiner gemächlichen Eindringlichkeit tiefgreifend schaurig.

A Cure for Wellness USA 2016, 146 Min., R: Gore Verbinski, D: Dane DeHaan, Jason Isaacs, Mia Goth, Start: 23.2.

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