Erotikthriller

„A Thought of Ecstasy“ im Kino

RP Kahl zelebriert die Obsession!

Lena Morris

RP Kahl ist ein Exot in der deutschen Filmlandschaft, der das Kino der Obsessionen liebt. Mitte der 1990er-Jahre versuchte er mit Oskar Roehler das Berlin-Mitte-Nachtschwärmertum zu inszenieren. „Silvester Countdown“ von Roehler, den Kahl mit sich selbst in der Hauptrolle produzierte, und sein eigenes Spielfilm-Regiedebüt „Angel Express“ waren extrem stilisierte Filme über verlorene Großstadtgestalten. Auch in „A Thought of Ecstasy“ ist er sich und seinen Themen nun treu geblieben.
Trugbilder und Traumbilder treiben auf einem Roadtrip einen Typen namens Frank durch die Unwirklichkeit kalifornischer Wüstenlandschaften und einer postapokalyptischen ­Architektur mit leerstehenden Bunkern und verlassenen Motels. Frank ist auf der Suche nach Marie, die ihn vor 20 Jahren verließ. ­Anhand ihres Tagebuch-Romans versucht er, Maries Spuren zu recherchieren, und gerät in die verführerischen Fänge eines mysteriösen Frauen-Trios, das mit Marie in Verbindung stand und ihn immer tiefer in ein intrigantes Spiel sexueller Abgründe verstrickt.

Die explizite Inszenierung einiger Sex-Szenen hat kontroverse Reaktionen ausgelöst und erinnert an Kahls „Bedways“. Hinzu kommt, dass er sich bewusst auf dünnes Eis begibt, indem er Frank selbst spielt. Das ist auf verschiedenen Ebenen ein Exhibitionismus, den sich hierzulande nur wenige trauen. Der Film mutet viel zu, ist in manchen Momenten auch eine echte Zumutung. Aber eine, die daran erinnert, dass die Obsession nun mal eine der Triebkräfte des Kinos ist.

A Thought of Ecstasy D 2017, 87 Min., R: RP Kahl, D: RP Kahl, Lena Morris, Joel Cairo, Start: 25.1.

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