Drama

„Abluka – Jeder misstraut jedem“ im Kino

20 Jahre saß Kadir hinter Gittern. Jetzt wird er bedingt entlassen. Denn wenn er nicht für die Geheimpolizei spitzelt, geht er wieder in den Knast

Foto: Grandfilm

Es ist ein trübes, graues und kaltes Istanbul, in dem er den Müll in seinem Viertel auch nach Bombenresten durchsuchen muss. Sein jüngerer Bruder Ahmet wurde kürzlich von seiner Frau nebst Kindern verlassen und verdient seinen Lebensunterhalt, indem er streunende Hunde erschießt. Während Kadir Nachbarn und Freunde bespitzelt, versucht er sich seinem jüngeren Bruder anzunähern. Doch der beginnt sich einzuigeln.

Regisseur Emin Alper zeichnet in diesem Drama, das im Verlauf immer stärker zur apokalyptischen Parabel wird, ein zeitloses Istanbul, in dem zwischen Gewehrschüssen und Bombendetonationen, zwischen brennenden Autos und patrouillierenden Panzerwagen die Menschen langsam jeglichen Kontakt zueinander verlieren. Misstrauen, Verdächtigungen, Angst und Terror verdrängen die letzten freundschaftlichen Beziehungen. Irgendwann verliert auch der Zuschauer den klaren Blick. Ist der Freund doch der gefährliche Terrorist? Die Frau, Objekt der Begierde, schläft sie mit dem Bruder? Wem ist noch zu trauen?

Ein preisgekrönter, grandioser Film über eine Welt, in der das Misstrauen gesiegt hat. Aktuelle Bezüge zur Türkei inklusive.

Frenzy (OT) TK 2016, 119 Min., R: Emin Alper, D: Mehmet Özgür, Berkay Ates, Start: 7.9.

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