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„Achtung Berlin“ zeigt 70 Filme mit Lokalkolorit

GliobastomBerlins Kapital sind seine krea­tiven Köpfe – heißt es. Zumindest in der Filmbranche geht diese Rechnung auf. Vor fünf Jahren startete darum auch das erfolgreiche Filmfestival Achtung Berlin – New Berlin Film Award. Die achttägige Filmschau legt den Fokus auf Produktionen aus Berlin und Brandenburg, präsentiert werden Geschichten aus der Hauptstadt und vom leeren Land. „Kräftiges Lokalkolorit“ verspricht das Fes­tival in der Sektion „HeimatDokumente“. Darin findet sich unter anderem „24 Stunden Schlesisches Tor„. Die kurzweilige Guerilla-Doku pirscht Fast-Food-Machern, Jungtürken, Berlintouristen und Obdachlosen hinterher, die mit verblüffenden Statements aufwarten.
Ob als Spielfilm, kurz oder lang, oder als Dokumentation – das regionsspezifische Fes­tival bemüht sich um einen spannenden Querschnitt durch alle Genres und bietet wenig Mainstream und viele Chancen für eigenwillige Bildsprachen und Themen. Inzwischen hat sich Achtung Berlin zum drittgrößten Berliner Filmfestival gemausert und präsentiert sich diesmal mit erweitertem Spielraum: Neben dem angestammten Festivalkino Babylon Mitte laufen die Filme auch im Neuköllner Kino Passage.
„Made in Berlin-Brandenburg“ – unter diesem Motto etablierte sich der Wettbewerb des Festivals, der sich als Gradmesser für die junge, innovative Berliner Filmszene sieht. Eröffnet wird mit dem Liebesfilm „Zwischen heute und morgen„. Darin konfrontiert Fred Breinersdorfer zwei um die vierzig (Gesine Cukowski und Peter Lohmeyer) miteinander. Trotz glücklicher Ehen erwacht in ihnen die Lust auf ein anderes Leben. Eine Nacht mit Folgen?
Dem Thema „Familie“ gewinnen einige der neun mittellangen Filme bizarre, fast schon gruselige Facetten ab. „Schwester Ines“ von Christiane Lilge beispielsweise siedelt einen Abnabelungsprozess drastisch in einer Entbindungsklinik an. „Gliobastom“ (Foto) hingegen ist eine skurrile Komödie, in der eine lesbische Stuntfrau 23 Goldfische killt und fortan von Tierschützern bis in die Provinz verfolgt wird, wo ihr Vater mit Hirschen und Hasen Doppelkopf spielt. Ein ganz anderes Kaliber unter den Mittellangen: der Fotofilm „Radfahrer“ von Marc Thümmler. Die bestechenden SchwarzWeiß-Bilder des DDR-Fotografen Harald Hauswald stehen im Mittelpunkt und damit eine DDR-Realität, die den Oberen nicht gefallen konnte: Punks, Säufer, Alltag, Verfall. Aus dem Off liest Klaus Wiesinger Passagen aus Hauswalds 1500 Seiten umfassender Stasiakte und öffnet damit eine weitere Wahrnehmungsebene: Man betrachtet Hauswalds Arbeiten nicht nur durch dessen Sucher, sondern auch aus der Warte der Stasi. Ein interessantes Experiment.

Lesen Sie den vollständigen Artikel in tip 09/09 auf Seite 36.

Lesen Sie hier: Film-Festivals und Filmreihen in der Übersicht

Text: Cristina Moles Kaupp

Achtung Berlin – New Berlin Film Award, 15. bis 22. April in den Kinos Babylon-Mitte und Passage

„Ein Traum in Erdbeerfolie“ startet gleich nach dem Festival am 23. April

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