Groteske

„Affenkönig“ im Kino

Oliver Rihs bittet nach „Schwarze ­Schafe“ nun mit Affenkönig zur Party

Foto: Port au Prince

Nach den gemeinsam bestandenen Stürmen der Jugend hat sich das vormals unzertrennliche ­Jungens-Quartett in verschiedene Richtungen auseinandergelebt. Dann aber lädt Wolfi, schon immer das Großmaul unter den vieren, zu einem Wochenende in die Provence. Es gilt, seinen 45. Geburtstag gebührend zu feiern – und Viktor, Ralph und Martin fackeln nicht lange, packen Frauen und Kinder ein und folgen Wolfis Ruf in den sonnigen Süden. Kaum angekommen, ist das alte Einverständnis auch schon wieder hergestellt und bald Chaos-Gefahr im Verzug.
Oliver Rihs knüpft mit „Affenkönig“ endlich an seine großartige, allzu lange schon zurückliegende Berlin-Satire „Schwarze Schafe“ von 2006 an und lädt zu einem exzessiven Party-Wochenende unter dem Motto „kontinuierlich beschleunigende Eskalation“. Keiner der Beteiligten lässt sich lumpen; es ist vor allem die großartige Besetzung, die diesen Film zu einem Highlight für Freunde des grenzwertigen Witzes macht. In den Rollen der vier entgleisenden Freunde geben Hans-Jochen Wagner, Oliver ­Korittke, Marc Hosemann und Samuel Finzi alles. Und Finzi legt noch eine Schippe drauf, wenn seine Figur eines Ex-Alkis und Politikers einen Rückfall erleidet und er ein drogenbefeuert beschleunigtes Solo hinlegt. Da bleibt kein Stein mehr auf dem anderen und auch kein Auge trocken.
„Affenkönig“ ist eine krawallöse und rücksichtslose Komödie, keine Minute langweilig, aber dafür viele Minuten lang unglaublich und haarsträubend, im besten Sinne anarchisch, und dabei doch nie oberflächlich. Denn worum geht’s hier im Grunde? Um den Verlust der Jugend und der Freiheit, um Verrat und Vergeltung, um die Niederlage, die das Leben ist. Und darüber darf man endlich mal wieder lauthals dreckig lachen.

Affenkönig D/CH 2016, 98 Min., R: Oliver Rihs, D: Hans-Jochen Wagner, Samuel Finzi, Oliver Korittke, Marc Hosemann, Start: 13.10.

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