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Afroamerikanisches Drama: Der Film „Waves“ von Trey Edward Shults

Von Anfang an wird man hineingezogen in den Film „Waves“ – von den druckvoll pumpenden Beats der Musik. Von den intensiven Bildern der Kamera, die beinah konstant in Bewegung ist – genauso wie das beschleunigte Leben des 17-jährigen Tyler (Kelvin Harrison Jr.). Der junge Afroamerikaner aus der gehobenen Mittelschicht ist ein beliebter Schüler und erfolgreicher Ringer an seiner Highschool, ein durchtrainiertes Muskelpaket, das permanent (an-)getrieben ist vom Leistungsdruck und noch weiter gepuscht wird von seinem Vater (Sterling K. Brown).

Eine Verletzung allerdings setzt eine Spirale in Gang, die ihn zunehmend aus der Bahn wirft und schließlich zu einem folgenreichen, tragischen Unfall führt. Nicht nur Tyler wird durch die Folgen aus seinem Leben katapultiert. Auch das seiner Eltern und seiner Schwester Emily wird dadurch zunächst heftig aus den Angeln gehoben.

Mutig: „Waves“ ändert mitten im Film die Perspektive

Film „Waves“ von Trey Edward Shults Foto: Universal

An diesem Punkt, etwa zur Hälfte, wechselt die Erzählung so konsequent wie überraschend den Tonfall – und in die Perspektive von Tylers jüngerer Schwester Emily (Taylor Russell). „Waves“ bewegt sich dann vom Porträt eines jungen Mannes, dessen Leistungswahn auch Ausdruck ist, sich als Schwarzer in einer diskriminierenden Gesellschaft überkompensiert beweisen zu müssen, hin zum aufgebrochenen Familiendrama, das auf komplexe Weise um Liebe, Vergebung und die Zerreißproben kreist, die solche Härtesituationen mit sich bringen.

Trey Edward Shults, der mit seinen ersten beiden Filmen „Krisha“ und „It Comes at Night“ bereits für Aufsehen sorgte, überträgt seine heftigen Emotionswogen dabei in eine intensive Inszenierung und setzt einen audiovisuellen Energiestrom frei. Dazu verändert der Regisseur das Bildformat, entfesselt zum Synth-Filmscore von Trent Reznor und Atticus Ross die Kamera, die immer wieder aber auch sinnliche, fast beiläufige Unmittelbarkeitsmomente einfängt, die an die Filme Terrence Malicks erinnern. Gleichermaßen intim und wuchtig ist „Waves“ und wird durch die Schauspielleistungen noch ein Stück weitergetragen, während er beim Zuschauen nachwirkend einiges abverlangt. Sascha Rettig

USA 2019; 135 Min.; R: Trey Edward Shults; D: Kelvin Harrisin Jr., Taylor Russell, Lucas Hegdes; Kinostart: 16.7.2020

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