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„After Effect“-Premiere

After Effect
„Berliner Hoch-Schule“ wäre vielleicht ein passendes Etikett für die filmischen Arbeiten, die im Umfeld der Kreuzberger Theorie-Buchhandlung b_books entstehen, wie die Doku-Soap „Le Ping Pong d’Amour“ (15 Folgen seit 1997) oder zuletzt der Tresen-Loop „Dead Devil’s Death Bar“ von Deborah Schamoni, der im Forum-Expanded-Programm der diesjährigen Berlinale zu sehen war. Wie man Louis Althussers Ideologiekritik und ihre philosophischen Erben im Werbeagenturen-Milieu des neuen Berlin unterbringen kann, illustriert b_books-Gründer Stephan Geene mit seinem Spielfilm „After Effect“. Auch hier spürt man die oft extrem narziss­tisch erscheinende Lust,
mit Selbstbespiegelung und Theoriefragmenten zu hantieren, aber Sabine Timoteo (Bild) hilft mit ihrer unterkühlten Konzepter-Darstellung mit, das Spiel in der Balance zu halten.

Es geht um Warenfetischismus, um kreative Produktion und Produktion von Kreativität, um Tierlogos, queeres Begehren und hübsche Dienstleister aus der Werbewelt von Berlin-Mitte. „After Effect“ ist ebenso sehr ein fiktiver Film über die Berliner Kreativszene wie Zeugnis ihrer realen Selbstfetischisierung. Nabelschau, Dokument, animalische Fabel und historische Quelle zugleich, reizvoll gedehnt und verschroben.
Text: Robert Weixlbaumer

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