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„Ai Weiwei: Never Sorry“ im Kino

Ai Weiwei: Never Sorry

Ai Weiwei hatte Glück. Durch den Schlag eines Polizisten erlitt er 2009 eine Gehirnblutung, war nach einer Operation aber wieder genesen. Andere Dissidenten bezahlten ihr systemkritisches Engagement mit dem Leben, wie der Journalist Wu Xianghu, der von Polizisten totgeprügelt wurde. Üblicherweise werden renitente Regimegegner in China durch lange Gefängnisstrafen unschädlich gemacht, wie der zu elf Jahren verurteilte Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo. Ai kam bislang mit 81 Tagen Isolationshaft ohne Anklage davon. Ai Weiwei ist der neben Liu international bekannteste Bürgerrechtler Chinas. Dieses facettenreiche Filmporträt würdigt nicht nur seine politische und künstlerische Arbeit. Es zeigt ihn auch von einer ganz persönlichen, menschlichen Seite, vermittelt einen Eindruck von seiner Zivilcourage, seinem Charakter und Denken. Ais Kunstauffassung ist maßgeblich geprägt von Marcel Duchamp, Joseph Beuys und Fluxus; wie Andy Warhol läßt Ai Kunstwerke nach seinem Konzept von Mitarbeitern fertigen: Skulpturen, Installationen, Bauten. Auch als Fotograf, Theoretiker und Performance Artist ist er tätig.
Als Sohn des Dichters und Malers Ai Qing, der 1958 wegen „antikommunistischer Umtriebe“ mit Berufsverbot bestraft und zur Umerziehung aufs Land verbannt wurde, entwickelte Ai früh eine Aversion gegen staatliche Willkürherrschaft. Bei einem zehnjährigen Aufenthalt in New York lernt er vielfältige künstlerische Ausdrucksformen und ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit kennen und schätzen. Doch Ai kehrt in die Heimat zurück, engagiert sich in der Kunstszene und entdeckt Ende 2005 das Internet als Forum, um seine Ideen zu verbreiten. Erstaunlich offenherzig äußert sich Ai über Privates: sein Verhältnis zur Mutter oder eine außereheliche Beziehung, die ihm unvermutet einen Sohn beschert hat. Aktuell kämpft er in den Mühlen der Justiz gegen einen Steuerschuldbescheid in Höhe von umgerechnet rund 1,8 Millionen Euro. Spontan stellten 30.000 Spender den Großteil der Summe bereit. Ein Beweis der Solidarität und für die „Macht der Ohnmächtigen“ (Vбclav Havel).

Text: Ralph Umard

Foto: DCM

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Ai Weiwei: Never Sorry“ im Kino in Berlin

Ai Weiwei: Never Sorry, USA/China 2012; Regie: Alison Klayman; 91 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 14. Juni

Lesen Sie hier: Ein Interview mit Regisseurin Alison Klayman

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