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Akte X – Jenseits der Wahrheit

Akte X

Sechs Jahre später. Mulder und Scully sind aufs Land gezogen. Scully arbeitet in einem christlich geleiteten Krankenhaus und Mulder sitzt in einem Kämmerlein und schneidet Zeitungsartikel aus. An der Wand hängt das altbekannte UFO-Plakat mit der Aufschrift: I want to believe. The X Files: I want to believe lautet auch der Originaltitel dieses Films, der an die vielgeliebte Fernsehserie anknüpft, die vor sechs Jahren ihr Ende fand. Auf deutsch heißt das dann Akte X – Jenseits der Wahrheit, und sogleich fragt man sich, wo oder was dieses „Jenseits“ sein soll. Jenseits der Wahrheit, da wären womöglich der Glaube und die Täuschung anzusiedeln. Jenseits der Wahrheit liegt aber auch das weite Feld des B-Horror-Films, dem die Serie in so mancher Folge ihre Reverenz erwies.

Akte X war eine gelungene Kombination aus Welten-umspannender Verschwörungstheorie und Beschäftigung mit konkreten unerklärlichen Phänomenen. Sogenannte „monster of the week“-Episoden wechselten mit „Mythologie“-Folgen, in denen ein komplexes Komplott zur Kolonisierung der Erde durch Aliens entworfen wurde. Letzteres erschwerte Nicht-Eingeweihten das Verständnis des ersten Akte X-Spielfilms (1998). Die dürften mit dem vorliegenden Werk, das sich auf die „monster of the week“-Tradition der Serie besinnt, weniger Schwierigkeiten haben. Man kennt sich aus, auch wenn man von schwarzem Öl, Super-Soldaten und dem Syndikat keine Ahnung hat.

Stattdessen ergeben Stammzellentherapie, Organhandel, eine verschwundene FBI-Agentin und ein pädophiler Priester mit Visionen eine brodelnde Mischung, aus der schließlich eine russisch verwilderte Variante des Frankenstein-Motivs aufsteigt. Das Gegengewicht setzt wie immer Mulders und Scullys aufrichtiges Bemühen um die richtige Handlungsweise im Angesicht des Rätselhaften. Denn auch das Ringen um die Wahrheit war ein grundlegendes Thema der Serie. Es ist festgezurrt an den beiden sorgsam charakterisierten Hauptfiguren, die sich in der Unbedingtheit ihres Glaubens ähnlich sind, so unterschiedlich sie auch sonst sein mögen. Das macht den Reiz der Beziehung zwischen dem UFO-gläubigen Mulder und der Katholikin Scully aus.

Akte X
Es macht auch den Reiz von Akte X – Jenseits der Wahrheit aus – mitten im B-Horror-Film gönnen Duchovny und Anderson, mühelos und wie im Blindflug spielend, ihren Figuren ein Charakterdrama. Ach ja, und dann war da auch noch Xzibit, der in einer Nebenrolle als schlecht gelaunter FBI-Agent nicht viel mehr zu tun hat, als einige Male grimmig auf Mulder zu blicken.

Viel Lärm um Nichts muss man das große Gewese nennen, das der Verleih im Vorfeld um den schauspielernden Rapper machte. Es sei denn man will in der eigenwillig gewichtenden PR-Maßnahme, die sozusagen den Hausmeister für den Architekten sprechen lässt, das Ergebnis von Gehirnwäsche und damit ein Anzeichen der bevorstehenden Alien-Kolonisierung erkennen. Die ist bekanntlich für den 22. Dezember 2012 geplant. Mulder und Scully sollten es sich also in ihrem kleinen Ruderboot, mit dem sie über den Filmabspann schippern, nicht allzu bequem machen.

Text: Alexandra Seitz

tip-Bewertung: Sehenswert

Akte X – Jenseits der Wahrheit

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