Dokumentarfilm

„Alles gut“ im Kino

Wäre alles gut in diesem Land, dann wäre ­„Alles gut“ die Filmwahl von Frank-Walter Steinmeier in seinem neuen Amt als Bundespräsident. Zur Vorführung im Schloss Bellevue wären dann auch der achtjährige Djaner, sein Bruder und die Mutter eingeladen, und Herr Steinmeier würde den dreien erklären müssen, ob er sich immer noch für schnellere Abschiebungen in Balkan-Staaten ausspricht wie 2015 als Außenminister.

Rise And Shine Cinema

Djaner ist einer der Protagonisten des Films, für den Pia Lenz vom Spätsommer 2015 an über einen Zeitraum von einem Jahr den Alltag von Flüchtlingen in Hamburg begleitet hat. Neben dem Roma-Jungen aus Mazedonien sind das der syrische Familienvater Adel und dessen Tochter, die elfjährige Ghofran. Obwohl Djaner um seine drohende Abschiebung weiß, versucht er in der neuen ­Schule klarzukommen. Ghofran fühlt sich zunächst nur fremd in ihrem neuen Leben. Aber gerade sie wird zur heimlichen Heldin des Films, der genau beobachtet, wie sie sich behutsam und dann selbstbewusster an den neuen Alltag herantastet und die kleinen Erfolge feiert.
„Alles gut“ ist ein parteiisches Plädoyer für Integration, empathisch, nicht konfliktscheu und ehrlich, weil er es wagt, manchmal auch nur ratlos zu sein hinsichtlich der Herausforderungen. Zur „Filmvorführung“ beim Bundespräsidenten müssten Djaner und sein Bruder inzwischen aus dem Kinderheim geholt ­werden, in dem sie getrennt von ihrer Mutter leben. Die hatte einen psychischen Zusammenbruch infolge der permanenten Abschiebe­bedrohung.

Alles gut D 2016, 95 Min., R: Pia Lenz

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