Drama

„Aloys“ im Kino

Zwei Sonderlinge: Georg Friedrich brilliert als Privatdetektiv „Aloys“

Foto: Hugofilm/ Simon Guy Faessler

Leute beobachten, ihre kleinen Betrügereien offenbaren –Aloys Adorn lebt davon. Mit seinem Vater hat er eine ­kleine Detektei in einer tristen 70er-Jahre-Beton-Siedlung betrieben. Nun ist der alte Herr gestorben und Aloys setzt dessen Trott fort. Diszipliniert, wortkarg und keinesfalls glücklich. Er hält wenig von seinen Mitmenschen, verweigert Kontakt. Bis man ihm seine heiligen Videobänder klaut und Aloys plötzlich ­Anrufe von einer jungen Frau bekommt, die ihn besser kennt als ihm lieb ist.
Der Österreicher Georg Friedrich, gern abonniert für derbe, schräge Rollen, brilliert in dem kammerspielartigen „Aloys“ des Schweizer Regisseurs Tobias Nölle als fader Zeitgenosse. Glücksansprüchen verwehrt er sich, trotzdem hat ihn die ­unbekannte Anruferin bald am Haken, als sie ihm ein mysteriö­ses Telefonwandern vorschlägt, bei dem man sich nur in ­Gedanken begegnet – falls man genug Fantasie hat. Einfach den Kopf an die Wand lehnen, tief in sich hinein und den Hörer lauschen, schon steht man im feuchten knisternden Wald. Zwei Außenseiter haben sich gefunden. Schnell verstricken sich beide in ein immer obskurer werdendes Geflecht aus ­Imagination und Realität – bis sie fast in der „falschen“ Welt stecken bleiben.
Subtil legt Tobias Nölle diese Grenzverschiebungen an, fokussiert sich dabei auf bestechende Bilder und ein hyperreales Sounddesign. Dadurch  entwickelt „Aloys“ einen faszinierenden Sog, der die anfängliche Detektivgeschichte schnell ausblendet, wenn das gegenseitige Erkennen zweier Sonderlinge beginnt.

Aloys CH 2015, 90 Min, R: Tobias Nölle, D: Georg Friedrich, Tilde von Overbeck, Start: 24.11.

Bewertungspunkte1

Mehr über Cookies erfahren