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Im Interview

Jodie Foster: „Als Frau muss man doppelt so hart arbeiten“

Als Schauspielerin hat sich Jodie Foster in letzter Zeit rar gemacht. Im tip-Interview spricht sie über ihren neuen Film „Hotel Artemis“ und die aktuellen gesellschaftspolitischen Bezüge des Sci-Fi-Thrillers.

Foto: Concorde

Miss Foster, Ihre letzte Rolle liegt fünf ­Jahre zurück. Warum sehen wir Sie nur noch so selten?
Jodie Foster Nun, ich habe zuletzt einfach viel Regie geführt. Es war eine bewusste Entscheidung von mir, mich darauf zu konzen­trieren. Und ich hatte das Glück, spannende Projekte zu finden, sowohl im Kino als auch beim Fernsehen. Ich habe nicht vor, die Schauspielerei an den Nagel zu hängen. Aber ich nehme eben nur noch Jobs an, die ich wirklich liebe. Nach 52 Jahren als Schauspielerin empfinde ich das als den größten Luxus überhaupt.

Was war es denn konkret bei „Hotel Artemis“, das Sie zurück vor die Kamera lockte?
Als ich das Drehbuch las, dachte ich die ganze Zeit: Wow, wie unerwartet und frisch. Und genau das ist es, was ich suche, sowohl als Schauspielerin als auch als Zuschauerin. Leider werden Geschichten, die wirklich originell und neu sind, ja immer seltener. Alles basiert nur noch auf Comics oder aufgewärmten Fernsehserien von früher. Obendrein gefiel mir bei „Hotel Artemis“ ganz speziell die Art und ­Weise, wie diese Geschichte erzählt wird: als richtig cooler Actionfilm, der einen nostalgischen Blick auf ein Retro-Los Angeles mit einer sehr futuristischen Dystopie kombiniert.

„Hotel Artemis“ spielt im Jahr 2028. Haben Sie Angst davor, wo unsere Gesellschaft in zehn Jahren stehen wird?
Ich bin mir wirklich nicht sicher, wie viel Zuversicht angesichts unserer Zukunft angebracht ist. Momentan befinden wir uns ja an einem sehr interessanten Wendepunkt. Und zwar in jeder Hinsicht, politisch ebenso wie kulturell oder in Umweltfragen. Ich glaube, wir stehen am Abgrund – und sehen sehr deutlich, dass es dort unten verdammt düster ist. Die Frage ist jetzt, ob wir kopfüber dort hinunterstürzen oder vielleicht doch diesen Moment des Bewusstmachens nutzen, um innezuhalten und womöglich doch noch etwas zu verändern.

Welche unserer Probleme machen Ihnen die meisten Sorgen?
Da gibt es natürlich verdammt viele. Eigentlich verdeutlicht „Hotel Artemis“ einiges sehr eindrücklich. Ganz Los Angeles ist ohne Wasser, denn das bisschen, was es noch gibt, wurde privatisiert. Nicht vollkommen unrealistisch, so ein Szenario. Werden sich bald nur noch die Reichen das Wasser leisten können? Die immer größere Schere zwischen Arm und Reich, dazu die Krise des Gesundheitssystems, sich rasant verändernde technologische Möglichkeiten, Polizeigewalt und die Militarisierung der Polizei – alles, was in unserem Film vorkommt, ist ja im Grunde auch jetzt schon präsent und sollte uns allen Sorgen machen.

Kommen wir aber noch einmal zurück zur Filmbranche und den dortigen Entwicklungen. Dass Hollywood viel zu wenige weibliche Filmemacher beschäftigt, ist aktuell wieder ein großes Thema …
Das ist doch seit 50 Jahren ein Thema! Als ich anfing, in dieser Branche zu arbeiten, da gab es hinter der Kamera schlicht keine Frauen. Vielleicht hier mal eine Visagistin oder dort eine Skript-Assistentin. Aber das war’s. Ansonsten war ich da immer alleine unter Männern. Und darunter waren natürlich ganz wunderbare Männer, von denen ich unglaublich viel gelernt habe. Trotzdem wurde es höchste Zeit, dass sich irgendwann etwas zu ändern begann. Nirgends dauert das allerdings länger als im Regie-Bereich. Das europäische Kino hatte immer schon mehr Frauen auf dem Regiestuhl, beim Fernsehen wächst die Zahl auch erheblich. Jetzt wird es also höchste Zeit, dass Hollywood da auch im Kino nochmal wirklich Fortschritt macht.

Und Sie glauben, dass das auch passieren wird?
Ich habe den Eindruck, dass aktuell tatsächlich etwas passiert. Weil es mehr denn je ein Bewusstsein gibt, dass wir wirklich echte Diversität und Gleichberechtigung brauchen. Das hätte man natürlich auch schon früher wissen können, aber viele haben sich leider zu wenig Gedanken darüber gemacht. Ich selbst eingeschlossen. Als ich mit 27 Jahren meinen ersten Film inszeniert habe, kam ich gar nicht auf den Gedanken, nach einer weiblichen Kamerafrau zu suchen. Einfach weil ich keine kannte und mich mit den Gegebenheiten abgefunden habe, die ich vorfand. Das würde mir heute nicht mehr passieren.

Würden Sie selbst denn im Rückblick unterschreiben, dass Sie es als Frau immer schwerer hatten als die Männer?
Wissen Sie: Als Frau lernt man von Kindesbeinen an, dass man mit anderen Augen gesehen wird als ein Mann – und entsprechend auch selbst die Welt anders sieht und erlebt. Das ist überall und immer so, in der Schule, an der Tankstelle oder an einem Filmset. Und ja, ich würde absolut sagen, dass wir es schwerer haben. Als Frau muss man, egal in welchem Beruf, immer doppelt so hart arbeiten, um die gleiche Anerkennung zu bekommen. Wobei selbst das dann keine Garantie ist. Zu wissen, dass ich vieles in meinem Leben nicht erreicht hätte, wenn mir nicht Männer geholfen hätten, die mich unter ihre Fittiche genommen haben, ist mitunter ein seltsames Gefühl. Ich bin mir jedenfalls sehr bewusst, dass ich es häufig leichter hatte als andere Frauen in meiner Position. Einfach weil ich eine erfolgreiche Schauspielerin war, der einige Männer nur aus diesem Grund eine Chance gegeben haben.

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