Dokumentarfilm

„Als Paul über das Meer kam“ im Kino

Mittun statt Zusehen: In „Als Paul über das Meer kam“ wird der Filmemacher selbst aktiv

Foto: Weydemann Bros. / Juan Sarmiento G.

Einen ungewöhnlichen Blick auf die sogenannte Flüchtlingskrise wirft der Filmemacher Jakob Preuss in seinem Dokumentarfilm „Als Paul über das Meer kam“. Ungewöhnlich vor allem deshalb, weil Preuss irgendwann die Entscheidung trifft, die Rolle des reinen Beo­bachters aufzugeben und sich selbst ein Stück weit zu engagieren. Als er den aus ­Kamerun stammenden Paul René Nkamani kennenlernt, befindet der sich gerade in einem Camp in Marokko, wo Flüchtlinge die spanische Enklave Melilla mit ihrer gesicherten EU-Außengrenze belagern. Auch Paul sucht seine neue Heimat in Europa; er schafft es schließlich mit einer lebensgefährlichen Fahrt über das Mittelmeer bis nach Spanien.

Jakob Preuss zeichnet vor allem den Lebens- und Fluchtweg Pauls nach, spricht aber auch mit den scharfsinnig ihre Situation reflektierenden Campbewohnern und den spanischen Polizisten, die sogenannte „heiße“ Abschiebungen durchführen müssen: Wer erwischt wird, landet kurzerhand wieder auf der anderen Seite des Zauns.

Als Paul schließlich in Deutschland Asyl beantragt, vermittelt ihm Preuss seine eigenen ­Eltern als kompetente Integrationshelfer, ­obwohl er sich an den absurd konservativen Ansichten seines Schützlings zur deutschen Flüchtlingspolitik reibt. Und das ist das eigentlich Interessante an diesem Film: wie man bei aller emotionaler Verwicklung doch eine notwendige Distanz wahren kann.

Als Paul über das Meer kam D 2017, 93 Min., R: Jakob Preuss, Start: 31.8.

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