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„Als wir träumten“ im Kino

Als wir träumten

Der Roman „Als wir träumten“ von Clemens Meyer zählt zu den besten Zeugnissen von den wilden Jahren nach 1989. Von einem „Übermaß an Freiheit“ sprach der Autor in einem Interview mit dem tip. Seine jugendlichen Helden probieren in Leipzig alles Mögliche aus: Sie eröffnen einen Club, einer versucht sich als Boxer, sie werden von rechten Schlägern vermöbelt und dröhnen sich mit allem zu, was gerade so erhältlich ist.
Die tiefe Traurigkeit des Buches, aber auch die ungeheure Intensität, die sich durch den Erzählton von Meyer ergibt, bringt Andreas Dresen in seiner Verfilmung, zu der Wolfgang Kohlhaase das Drehbuch schrieb, gar nicht mal so schlecht auf die Leinwand. Zudem sind die zentralen Rollen der fünf Jungs Dani, Rico, Paul, Mark und Pitbull gut besetzt, dazu kommt Ruby O. Fee als das eine Mädchen Sternchen, das es in diesen Kreisen über längere Zeit aushält.
Es ist eine romantisierte Männerwelt, gekennzeichnet durch die Abwesenheit der Väter, die entweder im Knast sind oder sich dem Alkohol ergeben. Allzu leicht hätte dieser Stoff eine banale Nummernrevue ergeben können wie „Russendisko“, also eine Verunstaltung der nahen Vergangenheit durch überdeutliche Geschichtszeichen und schlechte Witze.
Andreas Dresen hingegen findet ein Leipzig, das nicht durch Patina gekennzeichnet ist, sondern durch Offenheit, und er bleibt so nahe an seinen verwirrten Helden, dass niemals der Eindruck entsteht, hier wäre irgendetwas „historisch“ oder verweise gar auf die Wiedervereinigung als solche. Und gerade in dieser dezidiert verengten Perspektive, zu der gut gewählte, zeitgenössische Musik und eine exzellente Ausstattung beitragen, wird „Als wir träumten“ auch als Film zu einer der relevanten deutschen Wendegeschichten.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Peter Hartwig / Rommel Film / Pandora Film

Orte und Zeiten: „Als wir träumten“ im Kino in Berlin

Als wir träumten, Deutschland/Frankreich 2015; Regie: Andreas Dresen; Darsteller: Merlin Rose (Dani), Julius Nitschkoff (Rico), Joel Basman (Mark); ?117 Min.

Kinostart: Do, 26. Februar 2015

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