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„Alter und Schönheit“ im Kino in Berlin

Alter vor Schönheit: Das ist eine scherz­hafte Formel, in der gleichwohl die Überzeugung mitklingt, es handele sich um ausschließende Kriterien. So ist schon der Titel „Alter und Schönheit“ eine trotzige (Selbst-)Behauptung des 65-jährigen Regisseurs Michael Klier. Der Lack ist schon etwas ab bei Justus (Burghart Klaußner), Harry (Henry Hübchen) und Bernhard (Armin Rohde), als sie sich am Sterbebett ihres Freundes Manni (Peter Lohmeyer) treffen zu einem letzten Dienst: Sie sollen Rosi finden, seine große, gescheiterte Liebe, der auch die anderen einmal sehr zugetan waren.
Es drängen sich physikalische Metaphern auf, um das Zusammen- und mehr noch Gegeneinanderspiel dieser schauspielerischen Platzhirsche zu beschreiben. Da sieht man weniger dem vernunftgeleitete Handeln ausgereifter Persönlichkeiten zu als Pro­zessen der Abstoßung und Anziehung, Verdichtung und Diffusion, einer Art psychischen Osmose, die bei allem Imponiergehabe und (Alters-)Starrsinn einen tiefen inneren Bezug verrät. So gelingt Klier ein mythenbereinigter und weitgehend unsentimentaler Blick auf diese in die Jahre gekommene Männerfreundschaft. Dabei überblenden sich die professionellen Biografien der Darsteller und der Figuren; all die Ticks und Manierismen, die abgewetzten Gesichtsausdrücke und verschliffenen Gesten atmen Müdigkeit und leise Panik.
„Alter und Schönheit“ ist die Altmänner- fantasie eines Realis­ten. Die Lust am Leben im Angesicht des Todes stellt sich her ohne Pathos und Erotomanie а la Philip Roth, und die Frau muss hier nicht unbedingt jung sein, um zu bewegen. Sie ist die Königin von damals, die geheimnisvolle Vielgeliebte, der die Zumutungen des Lebens ins Gesicht geschrieben stehen. Die reduzierten Schauplätze erzählen ihren Teil der Geschichte, sei es das Hospiz als freundlicher Wartesaal des Todes, sei es Mannis heruntergekommener Bungalow als Seelenlandschaft inmitten eines verdörrten Gartens. Der zuletzt geflutet wird, wenn alles in Fluss gerät. Der angekündigte Tod bewirkt eine große Ehrlichkeit und mit ihr die Einsicht, dass Tragik und Komik des mittleren Lebensalters gerade darin liegen, dass die Sehnsucht nach Schönheit die gleiche geblieben ist. Sei sie verkörpert in einer Frau, einem Ferrari oder in der Freiheit.

Text: Stella Donata Haag

tip-Bewertung: Sehenswert

Alter und Schönheit, Deutschland 2008; Regie: Michael Klier; Darsteller: Henry Hübchen (Harry), Burghart Klaußner (Justus), Armin Rohde (Bernhard); Farbe, 95 Minuten

Kinostart: 8. Januar 2009

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