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„Am Ende ein Fest“ im Kino

Am Ende ein Fest

Jeder stirbt für sich allein, heißt es bei Hans Fallada. In dem israelischen Ensemblefilm „Am Ende ein Fest“ trifft die lakonische ?Erkenntnis über das Lebensende nur zum Teil auf seine Hauptfiguren zu. Es sind betagte Ehepaare und Alleinstehende, die in einem Seniorenheim in Jerusalem Tür an Tür miteinander leben. Der Tod ist hier kein Tabuthema, sondern gehört zum Alltag. Unaufgeregte ?Solidarität herrscht in der Gemeinschaft; insbesondere der Hobbybastler Yehezkel hat es sich zur Aufgabe gemacht, die hoffnungsloseren unter seinen Nachbarn aufzumuntern: Er spielt auch mal an einem technisch präparierten Telefon Gott, um einer lebensmüden alten Nachbarin einzuflüstern, doch noch eine Weile unter den Lebenden zu verweilen. Auch sonst ist das Haus angefüllt mit interessanten Charakteren und mit den Lebensjahren gereifter Selbstironie.
Der Ton wird ernst, als Yehezkels todkranker Freund den Wunsch äußert, sein Leid vorzeitig zu beenden und sterben zu dürfen. Um den Wunsch nach Sterbehilfe entsteht im engsten Freundeskreis eine Kontroverse. Schließlich aber erfüllt Yehezkel den Wunsch mittels eines selbstgebauten Automaten, der auf Knopfdruck des Kranken die Verabreichung einer tödlichen Substanz auslöst. Ein Eingriff, der bei Sterbewilligen des Heims in ähnlich schwerer Situation bald die Runde macht.
Für sein strittiges Thema findet das Regieduo Tal Granit und Sharon Maymon zu einem angenehm selbstverständlichen Ton. Dabei ?schreiben sich die Filmemacher keine politische Agenda auf die Fahnen, stattdessen entwickelt sich der komplexe Gegenstand aus der Geschichte heraus und den fein gezeichneten Figuren. Zwischen schwarzem Humor а la „Lang lebe Ned Devine!“ und einem ungeschönten Blick aufs Alter liegen dabei oft nur Atempausen. So hält der Film eine würdige mittlere Lage zwischen Komödie und leisem Drama.

Text: Ulrike Rechel

Foto: © Neue Visionen Filmverleih

Orte und Zeiten: „Am Ende ein Fest“ im Kino in Berlin

Am Ende ein Fest (Mita Tova – The Farewell Party), Israel?/?Deutschland 2014; Regie: Sharon Maymon, Tal Granit; Darsteller: Ze’ev Revach (Yehezkel), Levana Finkelstein (Levana), Aliza Rosen (Yana); 93 Minuten

Kinostart: Do, 24. September 2015

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