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Am Wochenende auf der Berlinale: „Im Angesicht des Verbrechens“

Der längste Film der Berlinale läuft traditionell im Forum. Israelische Jahrhundertporträts aus Jerusalem oder die Dokus von Junge und Junge. In diesem Jahr hat wieder ein deutscher Filmemacher diesen Platz besetzt. An den letzten beiden Berlinale-Tagen wird Dominik Graf für jeweils 250 Minuten das Delphi-Kino in Beschlag nehmen, um dort in zwei Teilen sein Berliner Krimi-Epos „Im Angesicht des Verbrechens“ zu zeigen. Es wird ein einmaliges Event bleiben. Sein Film ist eigentlich fürs Fernsehen gedreht, als Zehnteiler wird er versendet werden, aber Graf ist ein Regisseur, dessen Arbeiten sich einfachen Formatzuweisungen seit langem wi­dersetzen. Auch unter gewöhnlichen Umständen macht der Münchner im Fernsehen Kino, und wenn er sich dem Serienformat anvertraut, ist damit zu rechnen, dass auch hier die stereotypen Formen des deutschen Fernsehkrimis gesprengt werden. Die Geschichte des Projekts war schwierig, zu groß schien der Umfang, aber Graf war nicht mehr gewillt, Kompromisse einzugehen wie am Anfang seiner Karriere. Die Produktions­firma musste Konkurs anmelden, noch im Sommer sah es so aus, als müsste der Film vielleicht unvollendet bleiben.
„Im Angesicht des Verbrechens“ erzählt von Berliner Gangster- und Polizisten-Milieus, vom Zusammentreffen der müden Berliner Republik mit osteuropäischer Energie, es gibt Machtkämpfe unter Russenmafiosi, sadistische Unternehmer, schwer korrupte LKA-Fahnder und eine leicht haltlose Polizeieinheit, bei deren Mitgliedern die Herausforderung von Privatleben und Berufsalltag ineinander verschmelzen. All diesen Fraktionen widmet Graf die gleiche Aufmerksamkeit. Wie das große amerikanische Serienvorbild „The Wire“ betrachtet der Film die Clans von Mafia und Polizei, ihre Hierarchien und gegenseitigen Ähnlichkeiten mit bei­nahe soziologischem Interesse. Mittler zwischen diesen Welten und zentrale Figur der Serie ist ein Berliner Cop aus einer jüdisch-lettischen Einwandererfamilie, der über seine Schwester auch Verbindungen in die höchsten Kreise der Berliner Russenmafia findet. Max Riemelt spielt ihn ohne Macho-Allüren, wie jemanden, der in den Herausforderungen der Serie erst erwachsen wird.

Text: Robert Weixlbaumer

Im Angesicht des Verbrechens (Teil 1) (Forum)  
20.2., 11.00,
Delphi

Im Angesicht des Verbrechens (Teil 2) (Forum)
21.2., 11.00,
Delphi

Lesen Sie hier: Eine Begegnung mit Max Riemelt

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