Kino & Stream

„Amer“ im Kino

Amer

Mit der Großaufnahme eines Auges beginnt dieser Film, dessen Thema die Schaulust ist. Sein Plakat, auf dem aus einer Spirale eine schwarz behandschuhte Hand nach einem nackten Frauenkörper greift, verspricht eine Hommage an das psychedelische Kino der Siebzigerjahre, an den italienischen Giallo-Film, der seine Mordkomplotte mit höchstem Formbewusstsein in Szene zu setzen verstand und Fans wie Brian De Palma faszinierte. Im Mittelpunkt von „Amer“ steht Ana, die der Film in drei Phasen ihres Lebens zeigt: als kleines Mädchen, als Teenager und als erwachsene Frau. In der Villa, die in der ersten Episode für das Mädchen zum Ort bedrohlicher Sinneseindrücke wird, wartet am Ende ein Killer in Schwarz auf sie.
Die Ikonografie des Giallo treibt „Amer“ ins Extrem, wenn er vorrangig in Close-ups erzählt, die dem Zuschauer die räumliche Orientierung rauben und sich ganz auf das sinnliche Erleben konzentrieren, was zudem durch verzerrte Perspektiven und die Farbdramaturgie unterstrichen wird; die Tonspur besteht denn auch eher aus akzentuierten Geräuschen, die Dialoge sind minimal. So ist dieses Spielfilmdebüt nicht nur Hommage, sondern auch Reflexion und Experiment.

Text: Frank Arnold

Foto: Koch Media

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Amer“ im Kino in Berlin

Amer, Belgien/Frankreich 2009; Regie: Hйlиne Cattet, Bruno Forzani; Darsteller: Marie Bos (Ana), Charlotte Eugиne-Guibeaud (Ana, Teenager), Cassandra Forкt (Ana, jung); 94 Minuten; FSK 16

Kinostart: 19. Januar

Mehr über Cookies erfahren