Literaturverfilmung

„Amerikanisches Idyll“ im Kino

Für seine erste Regiearbeit hat sich der britische Kinostar Ewan McGregor ganz unbescheiden ein Meisterwerk des US-Großschriftstellers Philip Roth als Vorlage genommen

Foto: Tobis/ Richard_ Foreman Jr.

In „Amerikanisches Idyll“ wird – nicht nur ironisch – vom Amerikanischen Traum erzählt, von beruflichem Erfolg, privatem Glück und gesellschaftlicher Anerkennung. Seymour Levov hatte alles, zumindest im Rückblick seiner Mitschüler beim 45. Klassentreffen. Der Blick fällt auf die im Nachhinein so unbeschwerten 50er- und frühen 60er-Jahre, in denen auch die USA als Land ihre Unschuld noch nicht verloren hatten. Dann steht mit dem Vietnam-Krieg, der Gegenkultur und der Radikalisierung von Black Power und der linksradikalen Untergrundbewegung Weathermen auf einmal alles Kopf. Die ­Idylle der ­Levovs zerbricht endgültig, als Tochter Merry untertaucht, nachdem im Postamt ihres hübschen Wohnorts eine Bombe hochgeht. Seymour hofft, die radikalisierte Tochter wiederzufinden, auch wenn darüber seine Ehe und er selbst zu Bruch gehen …
Man kann Ewan McGregor durchaus vorwerfen, die Vielschichtigkeit von Roths Roman allzu sehr auf die Vater-Tochter-Hassliebe redu­ziert zu haben, auch ist er vielleicht nicht die Idealbesetzung für die Hauptrolle. Was hier jedoch als Film für sich steht, verdient hinsichtlich Schauspielkunst, Ausstattung und ergreifender Inszenierung einer Familientragödie mit durchaus aktuellen Parallelen mehr als wohlwollende Anerkennung.

American Pastoral (OT) USA 2016, 110 Min., R: Ewan McGregor, D: Ewan McGregor, Jennifer Connelly, Dakota Fanning, Uzo Aduba, Rupert Evans, Start: 17.11.

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