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„Amour Fou“ im Kino in Berlin

Amour Fou

Ihren Namen kennt die Welt nur durch ihren Tod: Am 21. November 1811 wurde Henriette Vogel am Ufer des Wannsees vom Dichter Heinrich von Kleist erschossen, bevor sich dieser selbst eine Kugel in den Kopf jagte. Jessica Hausner versucht in „Amour fou“, den sie als „romantische Komödie“ deklariert, eine Rehabilitation dieses Beifangs eines prominenten Selbstmörders. Sie analysiert die Genese einer romantischen Geisteshaltung, in der absolute Liebesideale mindestens so gefährlich sind wie die Pistolen, die Kleist im Köfferchen mit sich herumträgt.
In sorgfältig komponierten Bildern und theaterhaft anmutenden Dialogen wird eine Welt der dressierten Geschöpfe vorgeführt. Während man beim Tee im Salon die Demokratie verwirft und die allgemeine Steuer verdammt, dekonstruiert der Blick der Kamera die strenge Behaglichkeit des Biedermeier. Vor gemusterten Tapeten und grazilen Möbeln werden auch lebendige Wesen zu Teilen der Dingwelt: das brav Klavier spielende Kind, das stumm knicksende Hausmädchen, der beständig anwesende Weimarer.
Der Bezug auf den historischen Doppelselbstmord ist ein genialer Kunstgriff, um im Modus der komödiantischen Distanzierung über die Liebe zu sprechen, ohne in den Kuschelmodus der herkömmlichen Romantic Comedy zu verfallen. Gerade durch die Stilisierung der Bilder und Dialoge entsteht eine feine Ironie, in der die Absurdität eines Liebeskonzepts deutlich wird, das die Banalität des Alltags als narzisstische Kränkung versteht und nur im Tod Erfüllung findet.
„Er denkt nur an sich“, sagt Henriette über Kleist. Der Film legt nahe, dass sie sich letztlich gegen die romantische Projektion und für das Leben entschieden hatte. Aber der Dramatiker Kleist wollte diese letzte große Szene nach seinen eigenen Vorstellungen zu Ende bringen.

Text: Stella Donata Haag

Foto: Neue Visionen Filmverleih

Orte und Zeiten: „Amour Four“ im Kino in Berlin

Amour Fou, Österreich/Luxemburg/Deutschland 2014; Regie: Jessica Hausner; Darsteller: Birte Schnöink (Henriette), Christian Friedel (Heinrich), Stephan Grossmann (Friedrich Louis Vogel); 96 Min.

Kinostart: Do, 15. Januar 2015

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