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„Amy“ im Kino

Es war ein öffentlich begleiteter Tod mit Ankündigung: Als die britische Soul-Sängerin Amy Winehouse am 23. Juli 2011 im Alter von 27 Jahren mit 4,16 Promille im Blut an einer Alkoholvergiftung starb, lagen bereits mehrere Jahre Drogen- und Alkoholsucht mit entsprechenden Abstürzen hinter ihr, die von den Boulevardmedien begierig ausgeschlachtet worden ­waren. Den Aufstieg zum internationalen Superstar in der ­Folge ihres millionenfach verkauften Albums „Back to Black“ (2006) hatte die talentierte Musikerin offenbar nicht verkraftet, und es fand sich niemand, der den einmal entgleisten Zug hätte stoppen können – oder überhaupt wollen.
Denn schließlich – so lautet einer der Aspekte, die der britische Regisseur Asif Kapadia („Senna“) in seiner Dokumentation „Amy“ herausarbeitet – profitierte ja das gesamte Umfeld der Sängerin von ihr, solange es noch halbwegs weiterging: Insbesondere ihr ebenfalls drogenkranker Ehemann Blake ­Fielder-Civil genoss die Aufmerksamkeit an der Seite seiner berühmten Frau und versuchte, sie in ihrer Sucht zu halten.
Vor allem aber zeichnet Kapadia das Porträt einer sensiblen Künstlerin mit vergleichsweise geringem Selbstwertgefühl und vielerlei Problemen (Depressionen, Bulimie), die in einem obs­zönen Mediengewitter untergeht, das keinen privaten Schritt mehr erlaubt. Das Problem des Films besteht allerdings darin, dass er dies auf die gleiche distanzlose Weise unternimmt wie die Medien, die er kritisiert. Hier kommt alles zum Einsatz: von den wackeligen Handy-, Heim- und Urlaubsvideos ihrer ­Freunde und Freundinnen bis zu aufbewahrten Nachrichten vom Anrufbeantworter. Wer sich darauf einlässt, wird vielleicht in den emotionalen Sog einer deprimierenden Abwärtsspirale gezogen – man kann diesen Blick aber auch unangenehm voyeuristisch finden.    


Text:
Lars Penning

Foto:
Prokino

Orte und Zeiten:
„Amy“ im Kino in Berlin

Amy GB 2015; Regie: Asif Kapadia; 128 Minuten

Kinostart: Do, 16. Juli 2015

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