Drama

„Ana, mon amour“ im Kino

Blinde Flecken und schlechte Routinen: „Ana, mon amour“ zeigt die junge Generation Rumäniens

Foto: Real Fiction

Die Geschichte von Ana und Toma beginnt mit ­einem hysterischen Anfall (nach einem Gespräch über Nietzsche) und endet mit einem Totschlag. Dazwischen vergeht die Zeit wie im Flug, denn Calin Peter Netzer springt in „Ana, mon amour“ immer wieder hin und her zwischen den verschiedenen Stadien dieser Liebe. Die labile Ana verlangt Toma fast alles ab, deswegen bemerkt er gar nicht, wie sich allmählich die Balance zwischen ihnen verschiebt.

Vor vier Jahren hat Netzer mit „Mutter und Sohn“ den Goldenen Bären der Berlinale gewonnen, und auch sein neuer Film handelt im Grunde wieder von den Generationen: Ana kommt aus einer ­Familie mit wechselnden Männern, sie zeigt alle Folgeerscheinungen eines Missbrauchs, meidet dieses Thema aber hartnäckig. Tomas Eltern sind Lehrer, sein Vater ist rechthaberisch, auch die ­Religion spielt eine Rolle. So setzt sich allmählich ein Eindruck von Lebensverhältnissen im heutigen Rumänien zusammen. Ana und Toma stehen dabei für die erste Generation der Freiheit, und wir sehen deutlich, dass die Freiheit im Zeichen großer Schwierigkeiten steht. Netzer erzählt in der für ihn üblichen Weise mit einer sehr beweglichen ­Kamera und Montage.

Dem lakonischen Realismus des neueren rumänischen Kinos fügt Netzer eine Dimension der ­Unmittelbarkeit hinzu, ohne dass er deswegen auf reflexive Momente (Beichte, Psychoanalyse) verzichten würde. Ein immer wieder schmerzhafter Film über blinde Flecken, schlechte Routinen und die Verschleißerscheinungen der Liebe in einer Paarbeziehung.

Ana, mon amour ROM/F/D 2017, 127 Min., R: Calin Peter Netzer, D: Mircea Postelnicu, Diana Cavalioti, Adrian Titieni, Start: 24.8.

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