Dokumentarfilm

„And-Ek Ghes“ im Kino

Wenn von „Zuwanderung in die Sozialsysteme“ die Rede ist, dann geht es meistens darum, dass man unterstellt, Menschen wollten sich in Deutschland einen Lebensstanddard erschleichen, den sie in ihren Heimatländern nicht haben.

Foto: Grandfilm

Der Dokumentarfilm „And-Ek Ghes“ von Philip Scheffner und Colorado Velcu zeigt dazu konkrete soziale Realitäten. Eine Großfamilie aus dem rumänischen Ort Fata Luncii kommt nach Berlin, und natürlich geht es dann auch einmal darum, alle Formulare klar zu bekommen, damit die Kinderbeihilfe ausgezahlt werden kann. Es sind viele Kinder. Aber von einem faulen Leben in der Sicherungssystemen, wie es meistens als Unterstellung mitschwingt, kann keine Rede sein. Der Vater arbeitet, die Kinder gehen zur Schule, die Integration geht zügig voran.
Philipp Scheffner schließt mit „And-Ek Ghes“ an seinen großen Film „Revision“ (über zwei rumänische Todesopfer an der früheren EU-Außengrenze in Mecklenburg-Vorpommern) an, und auch hier geht es im Grunde um eine Revision, also um eine andere, zweite Sicht auf Umstände. Die konzeptuelle Pointe liegt in diesem Fall darin, dass der deutsche Dokumentarfilmer seine Autorenposition teilt: Die Kamera ist oft bei den Leuten selber, sie filmen sich, machen sich auch Gedanken, wie sie repräsentiert sein wollen. Dabei entsteht nicht nur ein spannendes Bild vom Leben einer Migrantenfamilie in Berlin, sondern von europäischen Netzwerken, denn ein Teil der Velcus lebt in Spanien: „And-Ek Ghes“ zeigt ein Europa, das Freiräume bietet, aber niemandem etwas schenkt.

And-Ek Ghes

D 2016, 94 Min., R: Phillip Scheffner Colorado Velcu, Start: 22.9.

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