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„Another Earth“ im Kino

Another Earth

Im Rampenlicht des Sundance Film Festivals stehen seit einigen Jahren weniger die wirklich experimentellen Independent-Filme, sondern eher Geschichten für ein nicht allzu wagemutiges Arthouse-Publikum. Was einst Szene-Treff war, ist heute Börse und Marktplatz für die großen Filmfirmen. Dazu passt, dass „Another Earth“ von Mike Cahill in Sundance nicht nur zwei Preise, sondern auch einen internationalen Vertrieb durch das Major-Studio Fox bekommen hat.
Die Prämisse von „Another Earth“ ist durchaus ambitioniert, alltägliches Unglück wird in einen außergewöhnlichen Rahmen gepackt. Angetrunken und fasziniert von der Radio-Meldung über einen gerade entdeckten erdidentischen Planeten, fährt die junge Rhoda (Brit Marling) eines Abends in ein anderes Auto. Vier Jahre verbringt sie für den Tod einer Frau und ihres Sohnes im Gefängnis, danach arbeitet sie als Reinigungskraft in einer Schule. Gerne möchte man sich auf die persönliche Tragödie der wortkargen, schuldbeladenen Protagonistin einlassen, gerade im ersten Teil von „Another Earth“ gibt es viele reizvolle Momente, Blicke, Andeutungen. Doch zu schnell verfällt der Film einer reichlich durchschaubaren Symbolik.
Natürlich sucht Rhoda irgendwann den Mann auf, der nicht weiß, dass sie seine Familie ausgelöscht hat. Die ehemals angehende Astronomin arbeitet bald als Putzkraft bei dem schwermütigen Künstler John, holt ihn ins Leben zurück, weg von Pillen und Fusel. Rhodas Sühnearbeit wird zur Liebesbeziehung. Ob es dabei um Selbstaufopferung oder um echte Gefühle geht, erfährt man nicht, dafür ist „Another Earth“ doch zu sehr mit seinem fantastischen Überbau beschäftigt. Ständige Totalen der stetig näher kommenden „anderen Erde“ und die Ahnung, dass da oben Johns Familie noch leben könnte, rauben der eigentlich interessanten Geschichte zweier Opfer viel Wucht. Die Frage, wie weit jemand geht, um sich von Schuld zu befreien, wird nur angeschnitten. „Another Earth“ hätte mehr Schwerkraft, Konsequenz und Zauber gebraucht, der überirdische Bezugspunkt bleibt unnötige Garnitur.

Text: Thomas Klein

Foto: Twentieth Century Fox

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Another Earth“ im Kino in Berlin

Another Earth, USA 2011; Regie: Mike Cahill; Darsteller: Brit Marling (Rhoda Williams), William Mapother (John Burroughs), Jordan Baker (Kim Williams); 92 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 10. November

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