Konzertfilm

„Aretha Franklin: Amazing Grace“ im Kino

Rückkehr zur Gospelmusik: Aretha Franklin; Foto: Courtesy of Amazing Grace / Weltkino

KonzertfilmIm Januar 1972 nahm Aretha Franklin live in einer Kirche in Los Angeles ihre bis heute bestverkaufte Schallplatte auf. Mit dem Doppelalbum „Amazing Grace“ kehrte die als Tochter eines Predigers aufgewachsene Lady Soul zu den Klängen ihrer Kindheit zurück: zur Gospelmusik. Gefilmt hatte die beiden Sessions vor Publikum seinerzeit Sydney Pollack, als Spielfilmregisseur seinerzeit eine große Nummer in der US-Filmindustrie. Leider beging Pollack beim Dreh im Überschwang einen Anfängerfehler: Er vergaß, Film- und Tonmaterial durch das Schlagen von Klappen zu synchronisieren. Eine Weile versuchte man ohne Erfolg, die Sache noch irgendwie in den Griff zu bekommen, doch schließlich war das ursprünglich als Film-zum-Album gedachte Material für die Rechteinhaber einfach nicht mehr interessant.

Für Pollack blieb der nie vollendete Film hingegen bis zu seinem Tod 2008 ein Thema, das er des Öfteren mit dem Produzenten Alan Elliott diskutierte. Dank heutiger Digitaltechnik gelang Elliott und seinen Mitarbeitern das Kunststück der Synchronisierung mit erheblicher Fummelarbeit doch noch. Und nachdem nun auch Aretha Franklin verstorben ist, die geplante Aufführungen zu ihren Lebzeiten mehrfach verbieten ließ, kommt der Film mit 47 Jahren Verspätung jetzt in die Kinos: ein intimer Konzertfilm mit einem völlig hingerissenen Publikum und einem faszinierenden und unverwechselbar kraftvollen Soul-Star. Trotz des christlich spirituellen Songmaterials letztlich doch deutlich mehr Aretha als Jesus.

Aretha Franklin: Amazing Grace USA 1972/2018, 89 Min., R: Alan Elliott, Sydney Pollack, Start: 28.11.

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