Dokumentarfilm

„Argentina“ im Kino

Leidenschaft und Leben: In „Argentina“ blickt Carlos Saura auf die Musik des lateinamerikanischen Landes

Foto: Concorde Barakacine

Nachdem er zuletzt in „Flamenco, Flamenco“ (2010) den gegenwärtigen Stand des altehrwürdigen Musikgenres des andalusischen Flamenco dokumentiert hat, taucht der spanische Regie-Altmeister
Carlos Saura mit „Argentina“ tief in die volksmusikalische Tradition des zweitgrößten Landes Lateinamerikas ein. Dem Laien fallen zum Thema natürlich sofort der hocherotische Tango und dessen wohl bekanntester Interpret Astor Piazzolla ein, doch mit derlei Mainstream hält Saura sich gar nicht erst auf. In einem Studio in Buenos Aires versammelt Saura Vertreter unterschiedlicher Gesangs- und Tanz-Stile, Virtuosen und Artisten, meisterhafte Instrumentalisten, engagierte und energetische Künstler, die Melodien und Choreografien mit Leidenschaft und Leben füllen. Und denen Saura wiederum mit raffinierten Spiegelbauten und dem Spiel von Licht und Schatten inszenatorisch einen Raum schafft, der das, was da zum Ausdruck gebracht wird – und von der kleinen angedeuteten Narration bis zum großgestischen Emotionsausbruch reicht –, sicher aufhebt und schön unterstützt.
Zäsuren im gemächlich durch die Zeiten und Landstriche gleitenden Fluss aktueller Darbietungen bilden Hommagen an die beiden bedeutenden argentinischen Volkssänger Atahualpa Yupanqui (1908-1992) und Mercedes Sosa (1935-2009). In historischen Aufnahmen wird dabei die identitätsstiftende Kraft ihrer Lieder fühlbar, zugleich aber auch ein Manko des Films sichtbar: die fehlende historisch-politische Kontextualisierung der Musik.

Zonda: folclore argentino RA/F/E 2015, 89 Min., R: Carlos Saura, Start: 7.7.

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