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„Armin“ im Kino

ArminIbro möchte seinem vierzehnjährigen Sohn Armin helfen, seinen Traum zu verwirklichen, und versucht mit allen Mitteln, für ihn eine Rolle in einem Film über den Krieg in Bosnien zu ergattern, den ein deutsches Team in Kroatien drehen will. Aber der uralte Bus, der sie von ihrem bosnischen Dorf zum Casting-Termin bringen soll, bricht auf der Strecke zusammen, und als sie schließlich nach ihrer mühseligen Reise in Zagreb ankommen, ist der Termin schon verstrichen. Doch Ibro gibt nicht auf. Diese Geschichte dient dem kroatischen Regisseur Ognjen Svilicic eher als Aufhänger für seine recht anrührende Darstellung einer komplizierten Vater-Sohn-Beziehung. Denn diese Reise bietet dem in seiner Vaterrolle eher unsicheren und ungeschickten Macho und dem wortkargen, scheuen Jugendlichen endlich eine Möglichkeit, einander näherzukommen und zuzuhören.

Und schließlich erweist sich der Film als doch nicht ganz so schlicht, wie es zunächst den Anschein hat. Denn hinter dem familiären Kontext werden die Ambivalenzen und Antagonismen der sozialen Realität in den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens erkennbar, dessen Bürger sich in dem Zusammenprall von Ost und West, Arm und Reich neu orientieren müssen. Ihre Probleme und Hoffnungen gehen weit über die obsessive Beschäftigung mit den Traumata des Krieges hinaus, wie sie von dem deutschen Regisseur des Films im Film erkennbar wird. Warum dieser kleine Film des vor allem auch als Drehbuchautor bekannten Regisseurs Ognjen Svilicic jetzt erst in Deutschland he­rauskommt, obwohl er bereits vor drei Jahren im Forum auf der Berlinale gezeigt wurde, gehört zu den Mysterien des Verleihgeschäfts. Aber auch wenn in der Zwischenzeit eine ganze Reihe neuer entdeckungswerter Filme im ehemaligen Jugoslawien enstanden sind, bleibt „Armin“ mit seinen großartigen Darstellern (allen voran der bosnische Star Emir Hadћihafisbegovic als Vater Courage) durchaus bemerkenswert. Nicht zuletzt wegen des Versuchs, endlich mit dem Krieg abzuschließen.

Text: Barbara Lorey

Foto: Arsenal Institut für Film und Videokunst

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Armin“ im Kino in Berlin

„Armin“ Kroatien/Deutschland/Bosnien und Herzegowina 2007; Regie: Ognjen Svilic?ic‘; Darsteller: Emir Hadћihafisbegovic (Ibro), Armin Omerovic-Muhedin (Armin), Marie Bäumer (Gudrun); 82 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 28. Oktober

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