Kino & Stream

„Around the World in 14 Films“ im Babylon

Once Upon A Time In Anatolia

Eine der Eigenheiten von „Around the World in 14 Films“ sind die Paten. Jeder Film wird von einer bekannten Persönlichkeit präsentiert, so kommen interessante Paarungen zustande wie bei „Once Upon a Time in Anatolia“ von Nuri Bilge Ceylan aus der Türkei, den Angela Schanelec einleiten wird – sie teilt mit dem türkischen Regisseur, der sich bei dieser existenzialistischen Recherche in der Provinz in großer Form zeigt, eine Faszination für das fotografisch komponierte Bild. Volker Schlöndorff ist der Pate für den spanischen Film „Mad Circus“ von Alex de Нglesia, der bald darauf auch ins Kino kommt. Ob man Filmen, die schon einen Verleih haben, einen der raren Plätze bei diesem Festival vergeben sollte? Das wäre für die kommenden Ausgaben eventuell zu überdenken.
PoetryDoch angebrachter ist es, noch einige Titel hervorzuheben: „Poetry“ von dem Koreaner Lee Chang-dong (in dem eine ältere Frau die ersten Anzeichen von Alzheimer an sich feststellt und sich daraufhin in eine Klasse einschreibt, in der sie Poesie lernen will); „Jean Gentil“ von Israel Cбrdenas und Laura Amelia Guzmбn (in dem ein arbeitsloser, hilfloser, frommer Mann zwischen der Dominikanischen Republik und Haiti herumirrt, dabei allmählich seine Würde und seinen Mut verliert, was insgesamt eine bestürzende Allegorie auf die Ohnmacht der Armen in dieser Welt ergibt, und nebenbei ein rares Zeugnis eines nur in Spuren vorhandenen haitianischen Kinos); oder „Good Bye“ von Mohammad Rasouloff, jenem Regisseur, der im Iran im Vorjahr gemeinsam mit Jafar Panahi inhaftiert wurde, inzwischen wieder auf freiem Fuß ist (ein Verfahren gegen ihn ist weiterhin offen). Ihm gelang hier sein bisher bester Film, einer dieser für das iranische Kino so typischen Hürdenläufe, in diesem Fall einer alleingelassenen Frau, von einem Hindernis zum nächsten, eine zutiefst pessimistische Bestandsaufnahme der gesellschaftlichen Situation in dem von Fundamentalisten regierten Land. Sofern nichts dazwischen kommt, soll Rasouloff einer der Gäste von „Around the World in 14 Films“ sein – das wäre zweifellos, wie auch ein Besuch von Nuri Bilge Ceylan, ein Höhepunkt in einer insgesamt höchst spannenden Weltkinowoche.

Text: Bert Rebhandl

Around the World in 14 Films, Fr 25.11. bis Sa 3.12., Babylon Mitte

www.berlinbabylon14.de

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