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Das Arsenal im Jahr 2025: Einmal um die ganze Welt

Das gerade neu benannte Arsenal Filminstitut beschließt mit einer Finissage im Silent Green das Übergangsjahr ohne eigene Spielstätte – eine Zeit, die das Kino an die unterschiedlichsten Orte in Berlin und auf der Welt geführt hat.

„Mueda“, ein Klassiker des afrikanischen Kinos, aus der Sammlung des Arsenal Filminstituts, lief in Goma. Foto: (c) Arsenal

Wenn jemand in Berlin „Ich gehe ins Arsenal“ sagt, dann ist vielen Menschen geläufig, was damit gemeint ist: Das Arsenal ist seit Jahrzehnten ein Kino, in dem man Filme in einer Fülle und Vielfalt und in einem intellektuellen Kontext sehen kann wie sonst nur noch im Zeughauskino und seit einigen Jahren auch im Sinema Transtopia – das macht in Summe drei Orte, die Berlin zu einer Welthauptstadt des Kinos machen, und zu denen dann noch die vielen anderen Kinos kommen, die ein engagiertes Programm machen. Dass das Arsenal genau genommen zuletzt „Arsenal – Institut für Film und Video“ hieß, und dass es sich mit Jahreswechsel in „Arsenal Filminstitut“ umbenennt, sind daneben Nuancen, die vor allem für Expertinnen und für die Kulturförderung von Belang sind.

Übergangszeit im Arsenal – ab April 2026 dann im Silent Green

Am heutigen Dienstagabend geht für das Arsenal ein ganz besonderes Jahr zu Ende. Ein Jahr ohne eigenes Kino, nachdem das Filmhaus an der Potsdamer Straße schließen musste, und so auch die zwei Säle im Untergeschoss des Sony Centers, die seit 2000 als Spielstätten dienten. Ein Jahr lang war das Arsenal vorwiegend „on location“ tätig, zu Gast an den unterschiedlichsten Orten in Berlin (im Klick, im Gropiusbau, im fsk, im Filmmuseum Potsdam uvm) und in aller Welt, von Hamburg bis Kolkata.

Heute Abend, am 16. Dezember 2025, wird dieses Jahr mit einer Finissage zu einem offiziellen Ende gebracht, und zugleich eine Phase des Übergangs eingeläutet, denn bis zur Eröffnung des neuen Arsenal Kinos wird es noch bis April 2026 dauern – von da an soll ein neues Ein-Saal-Kino im Kulturquartier Silent Green im Wedding zur Verfügung stehen.

Die Finissage eröffnet mit 16mm-Filmen von Shelly Silver, die 2018 im Silent Green gedreht hat, und die seither in einem Terrarium gelagert waren. Nun wird das Ergebnis dieser biochemischen Prozedur begutachtet. Man kann daraus sehr gut ersehen, was die Zeit mit dem analogen Objekt Film macht – das Arsenal Filminstitut verfügt ja über einen enormen Schatz an Kopien, die im Lauf der Jahrzehnte aus dem Programm des Berlinale-Forums gesammelt wurden, und natürlich nach bester Sachkenntnis aufbewahrt werden. Sieben Jahre sind in einem individuellen Leben eine lange Zeit, das Arsenal mit seiner Vorgeschichte aber hat bald die Lebensspanne eines durchschnittlichen Menschenlebens erreicht, und hat dabei den Kontakt zu der sich ständig verjüngenden Stadt nie verloren.

Arsenal on location: Filmfestival in Goma in der Demokratischen Republik Kongo

Zugleich ist das Filminstitut Arsenal ein Ort, an dem viele Verbindungen in aller Welt zusammenlaufen. Das kann man nicht zuletzt aus den Veranstaltungen ersehen, die 2025 international „on location“ abgehalten wurden – zum Beispiel in Goma, einer Stadt in der Demokratischen Republik Kongo, die man häufiger im Zusammenhang mit Gewalt und Vertreibung in den Medien findet als mit Kultur. Dieser Tage geht dort ein Festival zu Ende, bei dem das Arsenal fünf Filme beisteuerte: Darunter „The Embassy“ von Filipa César, einer portugiesischen Künstlerin, die seit vielen Jahren in Berlin lebt und sich vor allem mit der postkolonialen Situation im westafrikanischen Guinea-Bissau beschäftigt.

„The Embassy“ von Filipa César. Foto: (c) Arsenal

Für die Bundesrepublik Deutschland sind solche feinst verästelten Kulturbeziehungen, an denen oft auch lokale Goethe-Institute beteiligt sind, von unschätzbarem Wert. Und Berlin, die Stadt, die in Afrika oft vor allem wegen der berüchtigten Kongo-Konferenz genannt wird (1885 teilten europäische Mächte Afrika unter sich auf), bekommt ein anderes Image mit Veranstaltungen wie in Goma.

Die Finissage wird mit einem Meisterwerk des Expanded Cinema schließen: „Line Describing a Cone“ von Anthony McCall, kein Film, sondern ein Lichtstrahl im dunklen Raum. Das kann man auch als Anspielung auf Weihnachten lesen, das Fest der Wintersonnenwende, das nach der längsten Nacht ein neues Jahr ankündigt. Das Arsenal Filminstitut wird 2026 wieder seinen Normalbetrieb aufnehmen, dieser wird aber sicher geprägt sein auch von Erfahrungen, die man 2025 als „displaced institution“ gemacht hat.

  • Silent Green – Kuppelhalle Gerichtstr. 35, Wedding, Arsenal on Location Finissage 16.12., ab 19 Uhr, Eintritt frei, Website

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