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„The Artist“ im Kino

The Artist

Schon in seinen beiden Vorgängerfilmen, den Agentenfilm-Parodien „OSS 117 – Der Spion, der sich liebte“ und „OSS 117 – Er selbst ist sich genug“, hat sich Michel Hazanavicius als virtuoser Genrekenner empfohlen: Damals verkörperte Schauspieler Dujardin einen französischen Wiedergänger Sean Connerys. Mit an Bord waren auch schon Bйrйnice Bejo, Hauptdarstellerin in „The Artist“ und Ehefrau des Regisseurs, sowie Kameramann Guillaume Schiffman. In „The Artist“ taucht die eingespielte Crew nun in eine gänzlich andere visuelle Welt ein. Besonders Dujardin wirkt, schwarz-weiß und „stumm“, wie ein Wahlverwandter von Hollywood-Haudegen а la Douglas Fairbanks oder Rudolph Valentino. Mit fast tänzerischer Intuition beherrscht der 39-Jährige das Minenspiel um hochgezogene oder grimmende Augenbrauen, um strahlendes Siegerlächeln und abgrundtiefe Blicke. „In das dramatische Format habe ich mich erst vor zehn oder zwölf Jahren verliebt“, sagt Hazanavicius. „Es ist wie gemacht für Stummfilm und Schwarz-weiß. Vorher hatte ich Stummfilm vor allem mit Komik verknüpft: mit Chaplin, Keaton und Harold Lloyd – den Clowns.“ Die ernste Seite der Ära begegnete ihm später in Form der Klassiker von King Vidor, Friedrich Wilhelm Murnau oder Erich von Stroheim. „Für mich ist das Stummfilm-Melodrama die purste Art, eine Geschichte zu erzählen“, sagt der Franzose. „Das Publikum hat einen einzigartigen Anteil am Erzählprozess: Die Fantasie der Zuschauer nimmt wahr, dass es keinen Ton gibt, also fügt sie vieles hinzu – die Textur von Stimmen und Geräuschen, die Dialoge. Auf die Art rückt der Zuschauer nah heran an die Figuren, macht fast den halben Job des Schauspiels.“
Auch in „The Artist“ eröffnet die Limitierung erstaunlichen poetischen Freiraum. Einen Raum, den das charismatische Ensemble mit Wärme und Leben auszufüllen versteht. Allein das erhebt „The Artist“ über eine detailversessene Retrostudie. Kleine Ungenauigkeiten in Hazanavicius’ Hollywood-Träumerei verweisen somit auf eine Freiheit, ohne die keine Filmkunst auskommt.

Text: Ulrike Rechel

Fotos: Delphi Filmverleih

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „The Artist“ im Kino in Berlin

The Artist, Frankreich/Belgien 2011; Regie: Michel Hazanavicius; Darsteller: Jean Dujardin (George Valentin), Bйrйnice Bejo (Peppy Miller), John Goodman (Produzent Al Zimmer); 100 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 26. Januar

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