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„Asche ist reines Weiß“ im Kino

Modernes China: Eine Frau muss sich durchsetzen

Neue Visionen/ Look good on you

Drama Das Werk von Jia Zhang-Ke wird ­immer mehr zu einer Langzeitbeobachtung der epochalen Transformationen in der Volksrepublik China. 2000 wurde er mit „Platform“ bekannt, er erzählte damals von einem „Kultur­ensemble“, das im Zuge der neuen Wirtschaftspolitik privatisiert wird. Eine der Entdeckungen in diesem bis heute zentralen Film war die Schauspielerin Zhao Tao, die später auch Jias Frau wurde, und die nun in „Asche ist reines Weiß“ erneut die ­Hauptrolle spielt.

Die Geschichte erstreckt sich ziemlich genau über die zwei Jahrzehnte seit „Platform“. Zhao Tao spielt eine Frau namens Qiao, die sich in einer Bergbaustadt im Norden Chinas mit einem Gangster einlässt. (Der einschlägige Begriff jianh gu, der das entsprechende ­Genre bezeichnet, firmiert prominent in den Dialogen.) Die Stadien dieser Beziehung sind auch Stadien auf dem Weg Chinas in die ­Moderne. Die Enttäuschungen, die Qiao dabei erlebt, machen sie zugleich fit für den Wettbewerbsgeist, der nun alles dominiert – in einer komischen Szene wird sie sogar zur Hochstaplerin. Vor allem aber muss sie lernen, kühl zu bleiben und de facto selbst ein Gangsterboss zu werden.

Jia Zhang-Ke kehrt mit „Asche ist reines Weiß“ an viele Schauplätze früherer Filme zurück, es sind immer auch Wendemarken der ­chinesischen Zeitgeschichte, etwa am Dreischluchtendamm, wo 2006 der Film „Still Life“ entstand. Als großer Frauenfilm wie als ­zeithistorisches Epos ist „Asche ist reines Weiß“ ein Höhepunkt des Gegenwartskinos.

Asche ist reines Weiß CHI/F 2018, 136 Min., R: Jia Zhang-Ke, D: Zhao Tao, Liao Fan, Start: 28.2.

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