Satire

„Assassination Nation“ im Kino

Ende des 17. Jahrhunderts wurden in Salem, US-Bundesstaat Massachusetts, nur auf Grund von Gerüchten 20 Menschen wegen Hexerei hingerichtet. Etwas mehr als 300 Jahre später sind Gerüchte die Währung der Sozialen Medien, können Tweets, Posts oder verfängliche Fotos Karrieren oder gar Leben zerstören

Universum

In dieser Welt spielt Sam Levinsons „Assassination Nation“, eine bitterböse Satire über die Exzesse des Internetzeitalters, der mit atemberaubender Verve Social Justice Warriors und politisch allzu Korrekten den Spiegel vorhält und auf brillante, blutige Weise imaginiert, welche Folgen ein Leben online haben kann.

Schauplatz ist eine typische US-amerikanische Kleinstadt namens – natürlich – Salem, in der die Erzählerin Lily (Odessa Young) und ihre die besten Freundinnen zur High School gehen. Gerade 18 ist das Quartett, stets extrem sexy gekleidet, immer auf der Suche nach Anerkennung, Likes und Daumen Hochs, sich stets des Drucks bewusst, in jedem Moment beobachtet zu werden, in der realen Welt, aber vor allem im Netz. Als plötzlich ein Hacker beginnt, private Daten von Bürgern der Stadt zu veröffentlichen und allerlei Geheimnisse enthüllt werden, eskaliert die Stimmung schnell: Der Mob sucht Schuldige und glaubt ihn in den jungen Mädchen gewunden zu haben.

Vom ersten Moment zieht Sam Levinson (der Sohn von Star-Regisseur Barry Levinson) in seinem zweiten Film alle Register, sowohl erzählerisch als auch visuell. Das er sich dabei oft auch der Klischees bedient, die er eigentlich hinterfragt, ist wohl ein kaum zu vermeidendes Problem einer Satire wie dieser, eines Films, der sich derart offensiv und schonungslos mit den Exzessen und Abgründen der Sozialen Medien beschäftigt. Nur konsequent also, dass „Assassination Nation“ blutig endet, doch im Gegensatz zu den Hexen-Prozessen gelingt es den Frauen hier, den Spieß umzudrehen.

Assassination Nation USA 2017, 108 Min., R: Sam Levinson, D: Odessa Young, Suki Waterhouse, Start: 15.11