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„Atlantic.“ im Kino

Atlantic.

Mit den Auswanderern, die massenweise über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen suchen, hat der marokkanische Fischer Fettah kaum etwas gemein. Zwar möchte auch er einen Neustart im Leben fern der Heimat wagen, doch zur Reise gen Norden entschließt er sich vor allem aus Liebessehnsucht nach der Holländerin Alexandra, die er bei ihrem Urlaub in seinem Dorf Moulay Bouzerktoun an der Atlantikküste kennengelernt hat. Außerdem ist Fettah ein ausgesprochener Individualist und ausgezeichneter Windsurfer, und so beschließt der 32-Jährige, auf eigene Faust entlang der marokkanischen Küste und dann – um die bewachte Straße von Gibraltar zu umschiffen – 300 Kilometer übers offene Meer nach Europa zu segeln.
Schon die malerische Eingangssequenz und der lyrische Off-Monolog im Flüsterton deuten an, dass „Atlantic.“ kein konventioneller Abenteuerfilm ist. Die Handlungsstruktur ist nicht chronologisch, die Montage wirkt assoziativ: Erhaben stimmende Totalen vom Segler im Ozean, häufig aus der Vogelperspektive, wechseln unvermittelt mit Rückblenden, die Fettahs Charakter, das Erwachen seiner Gefühle für die Holländerin sowie sein Milieu im Heimatdorf skizzieren – mit viel Lokalkolorit und etwas Folklore, auch Windsurfakrobatik wird geboten. Der Aufbruch zur Seereise ist erst am Schluss zu sehen.
Wohldosiert eingesetzter Chorgesang und landestypische Musik unterstreichen die Poesie der Bilder, dazu immer wieder kontemplative Worte aus dem Off. Die authentische Darstellung der Hauptfigur durch den mehrfachen Windsurfmeister Fettah Lamara, der häufig hautnah ins Bild gesetzt wird und sich als schauspielerisches Naturtalent erweist, trägt maßgeblich zum in sich stimmigen, faszinierenden Gesamteindruck dieses romantischen, ans Transzendente rührenden Films bei.

Text: Ralph Umard

Foto: STEPHANIE KULBACH / Neue Visionen Filmverleih

Orte und Zeiten: „Atlantic.“ im Kino in Berlin

Atlantic., NL/B/D/MA 2014; Regie: Jan-Willem van Ewijk; Darsteller: Fettah Lamara (Fettah), Thekla Reuten (Alexandra), Mohamed Majd (Hakim); 95 Minuten

Kinostart: Do, 25. Juni 2015

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