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„Atomic Age“ im Kino

Atomic Age

Eliott Paquet hat ein Gesicht, das eines Tages als „Visage“ durchgehen wird. Mit Augen auf Dreiviertelmast, einer Nase, die möglicherweise schon einen Hieb abgekriegt hat, und sinnlich geformten Lippen erinnert der junge Franzose an die adoleszente Ausgabe eines Robert Mitchum oder Vincent Cassel. In „Atomic Age“, dem kurzen Spielfilmdebüt von Hйlйna Klotz, lässt die Kamera ihn kaum aus den Augen. Blicke, Flirts, Dösen, Tränen – einen Großteil seiner Geschichte erzählt der Film durch Nahaufnahmen seines Protagonisten. Ansonsten folgt der Plot keiner klassischen narrativen Ordnung.
Es geht um eine einzige Nacht, die Paquet als Victor mit seinem Freund Rainer gemeinsam durchlebt. Der Weg beginnt in einem Lokalzug mit Kurs aufs Pariser Clubleben. Benebelt von Red Bull und Wodka wird die Tanzfläche zum Experimentierfeld für das Duo, das sich in Technobeats und Sehnsüchten treiben lässt und verschiedene Männlichkeitsbilder austestet. Als Womanizer versucht sich glücklos Victor, der Freund dagegen ähnelt eher einem heutigen Baudelaire: ein einsamer Dandy. Der Trip wird eine Schlägerei enthalten, einen Diebstahl und eine Flucht aus der Stadt. Fern der Metropole wird der nachtschwarze Wald zum mystischen Ort der Wahrhaftigkeit. Mit gerade einmal einer Stunde Länge findet der Film bemerkenswert schnell zu seiner starken Atmosphäre: In dämmeriges Licht getaucht, das in den Clubszenen in Neon schimmert und im Naturraum in zwielichtigem Blau, reflektieren die Bilder den inneren Tumult der Jungs zwischen Begehren, Frustration und Naivität. Zum Problem in dem ansonsten dichten Stimmungsstück werden die Dialoge, die zwar spärlich sind, doch dann schrecklich hochtrabend und unnatürlich. Wie viel stärker sind da Sequenzen, in denen die beiden Jungs tanzen, sich raufen oder Wodka-Red Bull kippen.

Text: Ulrike Rechel

Foto: PRO-FUN MEDIA

Orte und Zeiten: „Atomic Age“ im Kino in Berlin

tip-Bewertung: Annehmbar

Atomic Age (L’вge atomique), Frankreich 2012; Regie: Hйlйna Klotz; Darsteller: Eliott Paquet (Victor), Dominik Wojcik (Rainer), Niels Schneider (Theo); 67 Minuten; FSK 12

Kinostart: 16. August

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