Spionagethriller

„Atomic Blonde“ im Kino

Atomic Blonde – Charlize Theron als taffe, sexy ­Agentin im Berlin der Vorwendezeit

Foto: UPI / Focus Features LLC / Jonathan Prime

Der Name ist Broughton. Lorraine Broughton. Die Agentin ist rücksichtslos, effizient und sehr verführerisch. Kein Wunder, dass sich der Chef des MI5 an Lorraine wendet, als es darum geht, im Berlin der Vorwende­zeit eine Liste mit Doppelagenten zu suchen. Auf beiden Seiten der Mauer gibt es niemanden, dem sie trauen kann, nicht einmal dem heruntergekommenen Residentur-Chef David Percival (James McAvoy). Misstrauisch belauern sich Briten, Amis, Russen und Franzosen in der Mauerstadt. Und während der Westen in neonbunten Discos auf dem Vulkan tanzt, gärt es im Osten der Stadt.

Charlize Theron, Hauptdarstellerin und Produzentin des Streifens, hat sich die Rolle der Lorraine auf den durchtrainierten Körper schreiben lassen. Und dabei auf die Vorlage – ein sperriger, aber lesenswerter Schwarz-Weiß-Comic – keinerlei Rücksicht genommen: Hier kracht es bei jeder Gelegenheit, die Kampfszenen sind extrem lang und schmerzhaft, die ruhigen Szenen sehen aus, als wären sie Outtakes aus alten MTV-Videos. Das ist alles nicht besonders subtiles 80er-Genre­kino, bei dem die Action lauter ist als die Dialoge und die Charaktere eher cool als komplex sind. John le Carré auf Ecstasy.

Dass „Atomic Blonde“ an „John Wick“ erinnert, ist kein Zufall. Genau diesen hatte Theron im Sinn, als sie die Rechte an der Story kaufte. Da macht es auch Sinn, dass als Regisseur der Ex-Stunt-Koordinator David Leitch engagiert wurde, der schon beim ersten „John Wick“ ­co-inszenierte (und als nächstes „Deadpool 2“ machen wird). Teils in Berlin, teils in Budapest gedreht, macht „Atomic Blonde“ einen Riesenspaß, auch wenn die ­Geschichte vielleicht zwei Plot-Drehs zu viel hat und vieles beim genaueren Nachdenken unwahrscheinlich ist (wie kriegt Lorraine ihre wechselnden Outfits in einem Rollkoffer von der Größe einer Aktenmappe unter?). James Bond, so hörte man zuletzt von vielen Seiten, könnte ja auch mal von einer Frau gespielt werden. Zeitverschwendung, wo es doch jetzt Lorraine Broughton gibt.

Atomic Blonde USA 2017, 115 Min., R: David Leitch, D: Charlize Theron, James McAvoy, John Goodman, Til Schweiger, Start: 24.8.

Mehr über Cookies erfahren