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„The Attack“ von Ziad Douieri

The Attack

„Wir haben ein Rassismus-Problem“, konstatierte die Zeitung „Haaretz“ in Israel, nachdem es in diesem Jahr vermehrt zu Gewalttaten von Juden gegen israelisch-arabische Mitbürger gekommen war. Am Beispiel eines arabischen Top-Chirurgen in Tel Aviv führt dieses brisante, auf Yasmina Khadras Roman „Die Attentäterin“ basierende Drama nicht nur Rassismus vor Augen; zentral geht es um die Frage, wie Menschen zu Selbstmord-Attentätern werden – in diesem Fall die Frau des ahnungslosen Arztes: Jahrelang hat sie heimlich ein konspiratives Doppelleben geführt, dann sprengt sie sich in einem Restaurant in die Luft, reißt 17 Menschen mit in den Tod. Zutiefst erschüttert fährt der Witwer ins palästinensische Grenzgebiet, um die fanatischen Drahtzieher aufzuspüren. Dort wird seine Gattin als Märtyrerin verehrt, und er gerät selbst in Lebensgefahr. Neben dem hervorragenden Hauptdarsteller Ali Suliman beeindruckt vor allem die unvoreingenommene, von intimer Sachkenntnis zeugende Weise, wie das heikle Thema in Dialogen erörtert und detailliert mittels stimmiger Milieuschilderung und Figurenzeichnung Verständnis fördernd anschaulich gemacht wird.

Text: Ralph Umard

Foto: Senator Home Entertainment

tip-Bewertung: Sehenswert
 
The Attack (L’attentat), Libanon/Frankreich/Katar/Belgien 2012; Regie: Ziad Doueiri; 105 Minuten. Extras: Trailer. Erschienen bei Senator

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