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Audrey Tautou als „Coco Chanel“ im Kino

Schade, dass die titelgebende Figur nicht auch für den Final Cut verantwortlich zeichnet. Dabei scheint die Regisseurin Anne Fontaine das Schlichtheitsgebot der französischen Modeschöpferin Coco Chanel sehr wohl zu kennen. Oder warum blickt ihre Hauptdarstellerin Audrey Tautou stets entnervt auf ihre Zeitgenossinnen? Auf deren mit vielen Schleifchen und Rüschchen verzierten Korsettkleider, auf die großspurigen Federhüte, die das Gesicht der Trägerin weitgehend verdecken.
Fontaines Chanel-Film spielt in der ersten Schaffensperiode der Künstlerin, also vor ihrem Durchbruch in der Pariser Haute-Cou­ture-Szene. Damals, als Coco noch Gabrielle hieß und ein verarmtes Mädchen aus dem Waisenhaus war, als sie sich als Sängerin und Schneiderin über Wasser hielt – und der plüschigen Opulenz der Belle Йpoque den Kampf erklärte. Doch statt die klaren und einfachen Formen von Chanels Kreationen zu zitieren, gibt sich Anne Fontaines „Coco Chanel“ als altbackener Kostümfilm von der Stange: mit unerträglicher Musiksoße, aufgeblasenen Bildern und einer unerfüllten Liebe als Inspirationsquelle der Modeschöpferin. Coco Chanel und ihre radikale Schere hätten ihre helle Freude an diesem Machwerk gehabt.

Text: Anke Leweke

tip-Bewertung: Uninteressant

Orte und Zeiten: „Coco Chanel“ im Kino in Berlin 

Coco Chanel (Coco Avant Chanel), Frankreich 2009; Regie: Anne Fontaine; Darsteller: Audrey Tautou (Coco Chanel), Benoоt Poelvoorde (Balsan), Alessandro Nivola (Arthur Capel); Farbe, 105 Minuten

Kinostart: 13. August

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