Kinderfilm

„Auf Augenhöhe“ im Kino

Acht durchtrainierte Recken entsteigen dem Ruderboot, die Augen des zehnjährigen Michi schweifen von einem zum anderen und glänzen in freudiger Erwartung der ersten Begegnung mit seinem Vater.

Foto: Tobis Film/ Kerstin Stelter

Die Begeisterung schlägt sofort in Frust um, als der Steuermann auf den Ruf „Hey Tom“ reagiert. Der nun auftretende kleinwüchsige Mann scheint nicht der coole Dad zu sein, den sich das Heimkind Michi in seinen Träumen ausgemalt hatte.

Die herausragend inszenierte und fotografierte Schlüsselszene des feinfühligen Inklusions-Dramas brennt sich ein und führt den Zwiespalt ein, in dem Michi fortan steckt. Nach dem Tod seiner Mutter konnten ihm die fürsorglichen Erzieher die Familie nicht ersetzen. Er sucht seinen Vater, mit dem seine Mutter jede Beziehung abgebrochen hatte. Doch die eigenen Vorurteile gegenüber der „Witzfigur“ sowie die scheelen Blicke und offenen Anfeindungen der anderen Kinder belasten das Zusammenleben. Nur mühsam rauft er sich mit dem „Zwerg“ zusammen.

Sehr präzise und authentisch schildern Evi Goldbrunner und Joachim Dollhopf die Gefühlslagen von Michi. Sie führen den jungen Luis Vorbach zu einer grandiosen Leistung. Er ist auf Augenhöhe mit dem kanadischen Profi Jordan Prentice („Brügge sehen und sterben“). Einzig die Charakterisierung der Erwachsenen hätte etwas Überarbeitung vertragen. Tom hat keinen Beruf, und das Verhalten der Mitarbeiter des Jugendamtes oder der Polizisten hat wenig mit der Realität zu tun.

Auf Augenhöhe D 2016, 98 Min., R: Evi Goldbrunner und Joachim Dollhopf, D: Jordan Prentice, Luis Vorbach, Start: 15.9.

Bewertungspunkte3

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