Drama

„Auf einmal“ im Kino

Ordnung ist Pflicht: „Auf einmal“ bleibt eine Frau leblos zurück

Foto: MFA/ Emre Erkmen

Auf einer Party mit jungen Leuten in der Kleinstadt Altena im Sauerland bleibt eine Frau zurück. Die latent erotische Spannung wird jäh unterbrochen, denn Anna liegt plötzlich leblos auf dem Boden. Statt die Rettung zu rufen, läuft Karsten zu einem nahegelegenen Krankenhaus. Der Todesfall wird medizinisch und gerichtlich untersucht, vor allem aber erweckt er Argwohn: Denn es stellt sich heraus, dass niemand Anna kannte. Karsten muss sich rechtfertigen. Er braucht einen Anwalt. Sein Vater kümmert sich um alles. Seine Beziehung leidet unter den vielen Unklarheiten.
Für Autorin Regisseurin Asli Özge ist dieser Fall, der auf einer tatsächlichen Begebenheit beruht, eine Gelegenheit, den Mikrokosmos einer bürgerlich geprägten Kleinstadt in Deutschland eingehend zu untersuchen. Die jungen Leute, die Karstens Freundeskreis bilden, sieht man so im deutschen Kino selten, weil sie vielleicht eine Spur zu gewöhnlich – oder auch fast: bieder – wirken. Gerade das aber macht „Auf einmal“ zu einem interessanten und sehenswerten Film, vor allem, als Karsten schließlich in die andere Welt vordringt, in die Welt, aus der Anna kam.
An manchen Stellen nimmt die Geschichte fast schon die Dimensionen eines Psychothrillers an, er bleibt dann aber doch im Rahmen eines Gesellschaftsdramas, in dem sehr schön deutlich wird, wie hart das Leben in einer kleinen Welt sein kann, in der immer alles in Ordnung sein muss.

Auf einmal D/NL/F 2016, 112 Min., R: Aslı Özge, D: Sebastain Hülk, Julia Jentsch, Hanns Zischler, Sascha Gersak, Start: 6.10.

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