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„Aurora“ im Kino

Aurora

„Aurora“, die titelgebende Morgenröte, ist hier ein Dämmer- und Transitzustand, der den Alltag ­bestimmt. Verwaschenes Licht fällt auf die Stadt, in der Straßen, Bahngleise, Fabriken und Tiefgaragen in staubiger Gleichgültigkeit angeordnet sind. Bunt ist nur der Supermarkt mit seinem Warengewusel. Selbst die Wohnungen, halb renovierte Baustellen oder mit lange ersehnten Konsumgütern zugewucherte Wunderkammern, sind freudlose Bühnen, auf denen die Brutalisierung einer Gesellschaft vorgeführt wird, die sich zuerst am Umgang mit den Kindern zeigt.
Der Film beobachtet einen der vielen, die das aushalten müssen, wie er die Grenze zwischen Anpassung und Wahnsinn überschreitet. In zielloser Geschäftigkeit fährt er durch Bukarest, und der Film folgt ihm wie ein übermüdeter Detektiv, reimt sich eine Geschichte zusammen. Dieser fast apathische Zeigegestus ist in den letzten Jahren zu einer Art Markenzeichen des rumänischen Kinos geworden. Regisseur Cristi Puiu hatte diesen Stil 2005 in „Der Tod des Herrn Lazarescu“ erfolgreich mit Elementen schwarzen Humors belebt, bleibt in „Aurora“ aber für manchmal quälende 181 Minuten in der Falle der immergleichen Allegorisierung gefangen.

Text: Stella Donata Haag

Foto: debese Film

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Aurora“ im Kino in Berlin

Aurora, Rumänien/Frankreich/Schweiz/Deutschland 2010; Regie: Cristi Puiu; Darsteller: Cristi Puiu (­Viorel), Clara Voda (Gina), ­Valeria Seciu (Pusa); 181 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 21. Juni

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