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„Ausgegrinst“ von Bert Rebhandl

Mit Leonardo DiCaprio hat nun also der „whitest boy alive“ den Oscar als Bester Schauspieler bekommen, und zwar dafür, dass er so tat, als würde er eine Hühnerbrust in einen Pferdewanst zwängen. Eingeweide sind zwar nur unter besonderen Umständen die beste Bettstatt, doch bei pfeifendem Wind und 20 Grad unter Null wird niemand lange diskutieren wollen. DiCaprio ist in „The Revenant“ zumeist im ­Liegen zu sehen, zur Ohnmacht verurteilt, dafür umso grimmiger die Zähne fletschend.
Er gibt ein groteskes Bild ab, und die Entscheidung der Academy in Hollywood ist ebenso grotesk. Die Diskussion um den Rassismus der amerikanischen Film­industrie ist damit keineswegs abgeschlossen, wie auch das Vorjahresthema der Beteiligung von Frauen am Filmbusiness nach wie vor virulent ist.
In Deutschland, wo derzeit die Multikultifilme boomen und ein seltsamer Orientalismus die Drehbuchdoktoren befallen zu haben scheint, wird das alles so weich gezeichnet, wie es die ­Idealisierung der Oscars nahelegt. Der Award für DiCaprio zeigt allerdings: Überstrahlen lassen sich Probleme nicht, allenfalls ausgrinsen.

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