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Ausstellung: „Bernd Eichinger – … alles Kino“ in der Deutschen Kinemathek

Bernd Eichinger

Für eine der verdrießlichsten (aber eben auch unvergesslichen) Werbekampagnen der 1980er-Jahre wurden Passanten auf der Straße befragt, wie sie denn dazu stünden, dass demnächst „Der Name der Rose“ in die Kinos käme. Darunter war eine couragierte Bildungsbürgerin, die sich in schönstem Bayerisch über diese Aussicht empörte: „Das ist doch Literatur, das kann man nicht verfilmen!“ Bernd Eichinger wusste das natürlich besser. Was das deutsche Kinopublikum sehen wollte, wusste er ohnehin genauer als das Publikum selbst. Wie jeder Erfolgsproduzent war er ein visionärer Opportunist. Dank ihm wurden einheimische Produktionen plötzlich zu großen Ereignissen. Von „Das Boot“ an setzte er auf die kostspielige Adaption von Büchern, deren literarisches Renommee dem Bestsellererfolg nicht im Weg stand. Angefangen hat er noch im deutschen Autorenfilm, bald wandelte er sich jedoch zum Ermöglicher in eigener Sache. Die Regisseure waren nie so wichtig wie die Stoffe, für die er brannte. Und da er es verstand, großspuriger als seine Kollegen zu denken, gelangen ihm spektakuläre Besetzungscoups: Sean Connery, Glenn Close, Jeremy Irons und Meryl Streep waren sich nicht zu schade, an der Verwirklichung seiner Kinoträume mitzuwirken. Dabei wurde kein „stupid german money“ verbraten, sondern der stolze Beweis internationaler Konkurrenzfähigkeit angetreten.

Was Eichinger an den Stoffen jenseits ihrer kommerziellen Attraktivität reizte, ist nun in der neuen Ausstellung des Filmmuseums zu entdecken. Kurator Peter Mänz hat sie nach den Lebensthemen des Produzenten strukturiert: Helden, Deutschland, Außenseiter. Bei der Sichtung seines Nachlasses hat er ihn als leidenschaftlichen Filmemacher kennengelernt. Ganz so überraschend ist dieser Befund nicht, schließlich hat Eichinger stets das Bild eines unerbittlichen Enthusiasten kultiviert. Dass dieser mit allen Wassern gewaschene Geschäftsmann nie einen Computer besaß (und angeblich auch kein Handy), ist für die Ausstellung ein Pfund, mit dem sich wuchern lässt: Er vertraute noch auf die entschieden unflüchtigen Kommunikationsformen des Briefes und Notizbuches. Eine Karriere wie die Eichingers konnte sich nur im filmischen Biotop München zutragen. Dass sie nun in Berlin zu besichtigen ist, besitzt eine Ironie, die ihm bestimmt gefallen hätte.

Text: Gerhard Midding 

Foto: Karin Rocholl / Deutsche Kinemathek – Sammlung Bernd Eichinger   

Ausstellung „Bernd Eichinger – … alles Kino“ Fr 28.6. bis So 6.10. in der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen; www.deutsche-kinemathek.de

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