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Ab 17.12. im Kino: „Avatar – Aufbruch nach Pandora“

Diese Fusion ist Programm, größte Herausforderung und zugleich Thema des Films. Camerons Held Jake Sully (Sam Worthington) ist ein querschnittgelähmter Marine, der auf Pandora mit seinem Geist in einen Avatar schlüpfen soll, um die Welt der Na’vi zu erforschen. Die Technologie beruht auf Unikaten, was der Wissenschaftlerin (Sigourney Weaver), die sie erfunden hat, dennoch nur begrenze Macht verleiht. Der titelgebende Avatar, den sie gezüchtet hat, ist eine genetische Kreuzung aus Mensch und Na’vi und Jake, der ihn im Schlaf steuert, ein Doppelagent. Großkonzernen im All ist nicht zu trauen, noch weniger ihren Privatarmeen, das weiß man seit „Aliens“: Jake soll helfen, die Na’vi von ihrem Land zu vertreiben, unter dem ein kostbares Mineral abgebaut werden soll.
Jakes Entwicklung – vom unbedarften Ex-Soldaten zum Mittler, der die Schönheit der neuen Welt mit der Hilfe der Na’vi-Prinzessin Neytiri (digital bewegt von Zoe Saldana) erkennt, und weiter zum Kämpfer an der Seite der Na’vi – gibt die Akt-Einteilung des Films vor. Diese Reise in die Wunderwelt der Na’vi ist in ihrer Verknotung von Imaginärem und Realem (Jake erwacht in seinem Steuer-Sakopharg erst wieder, wenn sein realer, verletzlicher Avatar sich im Urwald schlafen legt) so reizvoll, dass man sich wünschte, Cameron nähme sich mehr Zeit dafür, die darin angelegten Fragestellungen wirklich zu erkunden. Aber die meiste Zeit ist er in Anspruch genommen von zahllosen zauberhaften, visuellen Effekten, ein wenig reinem Kitsch, vor allem aber von einer ganzen Reihe technischer Herausforderungen, von denen jede allein die Kapazität anderer Regisseure mehr als ausschöpfen dürfte.
Die erste, und nicht einmal größte, war die Entwicklung einer leichten 3D-Kameratechnik, die es Cameron erlaubte, den Fokus der beiden Linsen digital zu verändern, was viel schnellere Schärfenwechsel und totale Kontrolle der Effekte selbst bei Realbildern erlaubt. Aber auch in den rein computergenerierten Sequenzen (die zwei Drittel des Films bilden) nimmt man die 3D-Bilder nun als viel unaufdringlicher wahr, als in den großen 3D-Filmen dieses Sommers – keine nebensächliche Frage, wenn man einen fast dreistündigen Actionfilm erzählen will. Die wirkliche Pionierleistung liegt jedoch im Motion Capturing der Bewegung und Mimik der Akteure, die, von zahlreichen Kameras gefilmt, in seinem digitalen Green Screen-Studioraum, dem sogenannten „Volume“ agierten. Ihre Messpunkte werden mit einem im Computer gespeicherten, künstlichen Datenmodell ihrer jeweiligen Na’vi-Gesichter verbunden. Die Verfeinerung der Technologie beruht auf den Verfahren, die Peter Jackson für „Herr der Ringe“ und „King Kong“ entwickelt hat, aber Camerons Wesen haben nun tatsächlich einen die kleinsten Nuancen abbildenden, lebendigen Gesichtsausdruck. Das Vergnügen beim Betrachten dieser Bilder wird nicht kleiner, wenn man sich vor Augen hält, dass ihre Quelle eigentlich nur Einsen und Nullen darstellen und dieselbe Figur in einer Sequenz mit drei Schnitten unter Umständen von vier Akteuren verkörpert wird. Im Gegenteil kann man die Lebendigwerdung des Hybriden damit erst richtig würdigen.


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