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Im Kino: „Avatar – Aufbruch nach Pandora“

42 Lichtjahre von der Erde entfernt sieht die Welt noch blauer aus. Keine 24 Stunden überlebt ein normalsterblicher Mensch in der Wildnis von Pandora, aber ihr erster Anblick verspricht reine Wunder. In den Lichtungen der Urwälder stehen meterhohe Trichterwinden, die wie Mimosen in Sekundenbruchteilen auf Berührung reagieren, blühen rosalilatürkisfarbene Federbüsche neben leuchtenden Beerengräsern am Fuße 300 Meter hoher Bäume, die hier seit zehntausend Jahren stehen. Dazwischen pulsieren zarte, durchsichtige Luftquallen durch den Äther und tanzen auf den Körpern der Na’vi herum, den humanoiden Ureinwohnern von Pandora. Wie eine dreieinhalb Meter hohe Mischung aus Raubkatze und Mensch erscheinen die Na’vi, mit tiefblauer Haut, zarten Ohren und eisernen Lungen. Die Atmosphäre des Planeten können nur sie schadlos atmen. Den intergalaktischen Bergbau-Kolonisatoren von der Erde, die daran gehen, ihre Welt zu zerstören, verätzt die Luft von Pandora die Lungen.
Die halb paradiesische, halb höllische Welt von Pandora hat James Cameron erdacht, in den mehr als zehn Jahren, seit er mit „Titanic“ den mit 1,8 Milliarden Dollar Einspielergebnis bis heute erfolgreichsten Film der Geschichte ins Kino gebracht hat. „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ ist seine Rückkehr ins Spielfilmkino und weil er von Film zu Film größer und größer werden wollte, soll auch „Avatar“ nichts weniger als die Regeln des Blockbusterkinos neu bestimmen.
Camerons Stoffe waren immer schon aus der Liebe zu Mechanik und Physik geboren. Mit seinem Bruder versuchte er schon als Jugendlicher selbstgebaute Raketen in den Weltraum zu feuern, später wählte er den Weg über Roger Cormans Produktionsschmiede ins damals noch vergleichsweise billige Special-Effects-Kino. Von den lebendigen Würmern, die er für Corman mit recht simplen Mitteln animierte (Strom!), führte sein Weg über die Killerfische von „Piranhas II“ zum „Terminator“ und zu den vervielfältigten „Aliens„. Camerons digitale Revolution begann erst mit der animierten Wassersäule in „The Abyss„, aber damit veränderte sich im Grunde alles. Seine Drehbücher, ausgestattet mit sehr selbstbewussten, proletarischen Heldinnen, verloren mehr und mehr an Bodenhaftung, während die Filme im Gegenzug immer erfolgreicher wurden. Auf den Quecksilberrausch von „T2“ folgten Atombombenküsse in „True Lies“ und später die halb digital, halb real hingezauberte Untergangsvision „Titanic“.
Jetzt ist Cameron da angekommen, wohin sich Computeranimationsfilme seit einem Jahrzehnt nur mühsam und unter enormen Kosten hintasten: „Avatar“ spielt mit der totalen Verschmelzung von Computerbildern und der Darstellung menschlicher Akteure.

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