Mammutkostümfilm

„Avengers: Infinity War“ im Kino

Das war es also? Darauf lief seit dem Start des Marvel-Filmuniversums, seit dem allerersten „Iron Man“ aus dem Jahr 2008, alles hinaus? Das ist dann doch eine … äh … gelinde Enttäuschung

Disney/ Marvel Studios

Wohlgemerkt: „Avengers: Infinity War“ ist nicht völlig misslungen. Der Film ist halt nur viel zu lang, hat eine fast schon unüberschaubare Zahl an Haupt- und Nebendarstellern und lässt Zuschauern, die in der Welt der Marvel-Superhelden neu sind, keine Chance. Und den Spagat zwischen dramatischer Weltraum-Action und wir-erzählen-uns-jetzt-mal-alle-den-Plot schafft er auch nicht überzeugend.

Schade, denn wie alle Marvelfilme hat auch dieser sehr komische Szenen, wunderbar sarkastische Dialoge und tolle CGI-Aufnahmen. Und mit dem mächtigen Space-Bösewicht Thanos (gut gespielt von Josh Brolin), der seit Jahren hinter den Infinity-Steinen her ist, die ihm eine gottgleiche Macht verleihen sollen, auch einen großartigen Antagonisten. Und jeder – wirklich jeder! – Darsteller bekommt mindesten eine gut geschrieben und toll inszenierte Szene. Selbst die obligatorische post-credit-Szene bringt das überraschende Wiedersehen mit zwei lange vermissten Protagonisten.

Aber trotzdem: Wenn eben gleich ganz am Anfang des Films Tom Hiddlestone als Loki lethal entsorgt wird (er wird nicht der Einzige bleiben!), dann geschieht das nicht aus emotionalen Gründen, sondern weil der Brite seinen Vertrag nicht verlängern wollte. Und der Zuschauer spürt das. Man kommt sich vor, wie in einem indischen Kostümfilm: alles dreht sich, alles bewegt sich, alles ist schön bunt, aber den Sinn allem kann man nicht entdecken.

Dazu kommt: Nun hatte man zehn Jahre und 18 Filme Zeit, Sachen zu erklären – und trotzdem sitzen selbst Comic-Kenner teilweise ratlos vor der Leinwand: Warum trägt Cap jetzt schwarz und hat keinen Schild und keine Maske mehr? Warum kann sich Bruce Banner nicht mehr in den Hulk verwandeln? Wer war der Typ mit der Kapuze jetzt gleich noch? (Antwort: Es war der Red Skull.)

In den zehn Jahren des Marvel-Filmuniversums ist viel passiert. Doch am Entscheidensten dürfte sein: Am Anfang hatten diese Filme Herz, Hirn und Humor und der Erfolg war wohlverdient. Mit der Übernahme durch den Disney-Konzern sitzt dort, wo einst das Herz war, leider nur noch eine Brieftasche.

Avengers: Infinity War USA 2018, R: Anthony und Joe Russo, sehr viele Hauptdarsteller, 158 min, Start: 26.4.

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