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„Awka Liwen – Aufstand im Morgengrauen“ im Kino

Awka Liwen - Aufstand im Morgengrauen

Während in Argentinien über die etwa 30?000 Vermissten, die die Militärdiktatur unter Jorge Videla gefordert hat, inzwischen gesprochen werden kann, ist eine Diskussion des Genozids an den Indigenas, auf dem der Wohlstand des Landes beruht, nach wie vor tabuisiert. „Awka Liwen – Aufstand im Morgengrauen“ von Osvaldo Bayer, Mariano Aiello und Kristina Hille ist angetreten, dies zu ändern.
In einer nicht immer übersichtlichen Mischung aus Originalaufnahmen, historischen Dokumenten, peppigen Animationen, nachgestellten Spielszenen und Interviews mit Fachspezialisten werden Geschichte, Wirkung und Gegenwart der argentinischen Landnahme und Bodenpolitik nachvollzogen: 30 Millionen Hektar fruchtbarsten Landes wurden im Zuge von Enteignung und sukzessiver Ausrottung der indigenen Bevölkerung geraubt und an die „zivilisierte“ (weiße) Oberschicht verteilt. Aus der bildete sich schließlich eine Landoligarchie, die zur Durchsetzung ihrer Interessen auch Militärdiktaturen zu funktionalisieren wusste, wenn sie diese nicht gleich selbst kreierte. „Awka Liwen“ zeigt die bruchlose Kontinuität der Ausbeutungsstrategien von damals bis heute auf, da die kapitalistische Gier die industrielle Landwirtschaft immer weiter in die verbliebenen Urwälder vorrücken lässt, Bäume durch Soja ersetzt und die letzten Indianer in die Armut und die Slums vertreibt. In der indigenen Sprache Mapuche bedeutet „Awka Liwen“ „Rebellion bei Tagesanbruch“. Gemeint ist damit jedoch kein bestimmter Aufstand an einem konkreten Datum, sondern die Mission des Films: Bayer, Aiello und Hille wollen ihre Zuschauer dergestalt aufrütteln, dass diese nach Sichtung umstandslos damit beginnen, an der Veränderung der Verhältnisse zu arbeiten. Kein kleines Ziel. Aber ein ehrenwerter Ansatz.

Text: Alexandra Seitz

Foto: Macanud Films

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Awka Liwen – Aufstand im Morgengrauen“ im Kino in Berlin

Awka Liwen, Argentinien 2010; Regie: Osvaldo Bayer, Mariano Aiello, Kristina Hille; 80 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 26. Juli

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