Retro-Chic

„Baby Driver“ im Kino

Der smarte „Baby Driver“ fährt Fluchtwagen

Foto: Sony Pictures

„Es müsste immer Musik da sein, bei allem was du machst“, heißt es in „Absolute ­Giganten“ – auch wenn der englische Regisseur Edgar Wright Sebastian Schippers Film womöglich nicht kennt, ist dieser Satz doch die Basis von „Baby Driver“. Schon der Titel verweist auf einen Song von Simon & Garfunkel, und Wright – Regisseur von Kultfilmen wie „Hot Fuzz“ und „Shaun of the Dead“ – nimmt ihn wörtlich: Baby (Ansel Elgort) ist ein Driver, ein Fluchtfahrer, der für Doc (Kevin Spacey) in die Eisen steigt und wechselnde Crews nach Überfällen in Sicherheit bringt. Dabei hört Baby Musik, wie quasi in jedem Moment seines Lebens, auch als er die liebreizende Debora (Lily James) kennenlernt.

Vieles ist „Baby Driver“: ein Heist-Film, eine Romanze, vor allem aber ein Musical, ohne Gesang und Tanz zwar, aber brillant choreografiert, sowohl auf vier Rädern als auch auf zwei Füßen. In langen Plansequenzen tänzelt Baby durch Atlanta, auch wenn er nur Kaffee besorgt, stets die iPod-Kopfhörer im Ohr, ja, iPod, denn „Baby Driver“ ist durch und durch Retro: Die Verfolgungsjagden erinnern an Filme aus den 70ern, die Musik stammt vor allem aus den 80ern und 90ern – und doch ist „Baby Driver“ ein zeitgemäßer Film: eine brillante Oberfläche, kaum Substanz, von comichafter Gewalt und übersteigerter Romantik gleichermaßen geprägt, dadurch gleichzeitig unmoralisch und moralisch, und dabei stets ein bisschen zu sehr von seiner Originalität und Cleverness überzeugt. Verdenken kann man das Edgar Wright angesichts eines höchst ungewöhnlichen Films nicht.

Baby Driver USA 2017, 112 Min., R: Edgar Wright, D: Ansel Elgort, Lily James, Kevin Spacey, Start: 27.7.

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